Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Humus

Die wirkliche Reflexion gilt nicht der Gesellschaft, was ihr fehlt oder was ihr fehlt, sondern dem, was wir sind, was in jedem von uns steckt, was unsere wahre Natur ist.

Juan Cerezo

2. November 2024

Fabrice Hadjadj

Am vergangenen Donnerstag, dem 24. Oktober, wurde das Buch "Das Buch der Zukunft" in Madrid vorgestellt Wölfe im Schafspelz. Nachdenken über die Missstände in der Kirche (Encounter, 2024) des französischen Denkers Fabrice Hadjadj bei einer Veranstaltung der Zeitschrift Omnes und den Verlag, der den Aufsatz veröffentlicht.

Dort, HadjadjIn einer brutalen Übung in Ehrlichkeit ging er so weit, einem der Anwesenden etwas zu sagen wie: "Ich habe nie eine Frau missbraucht, und doch weiß ich, dass tief in meinem Herzen alle Voraussetzungen dafür gegeben sind. Das und noch viel mehr".

In dieser Zeit trat ein bestimmter Sprecher einer Fraktion, die sich für den Kampf der Frauen einsetzt, von seinem Amt zurück, und zwar wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs mehrerer Frauen. Ein wenig auf unsere Art zusammengefasst, aber ohne einen Punkt des Originals zu verpassen, würde seine Erklärung in etwa so lauten: "Ich habe eine Frau missbraucht, und doch weiß ich, dass tief in meinem Herzen die Bedingungen dafür nicht stimmen", was unweigerlich zu der Pointe "die Schuld liegt außerhalb von mir, nicht in mir" führt.

Die Politik, das Patriarchat, die Jahre der Diktatur, der Geruch des Machismo, in dem wir alle aufgewachsen sind. Balls out, not in.

Natürlich wird es diejenigen geben, die heute diejenigen lynchen, die sie gestern noch bewundert haben, ebenso wie diejenigen, die die Geste des Rücktritts loben, als ob sie verzweifelt versuchten, den Ruf des Mannes zu schützen, den sie vergöttert haben und der sich nun von dem Altar gestürzt sieht, den andere - und nicht nur er - für ihn errichtet hatten. Aber dort zu bleiben hieße, eine wertvolle Gelegenheit für eine echte Reflexion zu verpassen, die mit Ehrlichkeit zu sich selbst beginnen muss und die nicht so sehr darauf abzielt, zu sagen, wie die Gesellschaft ist - oder sein sollte -, was ihr fehlt oder was sie zu viel hat, sondern vielmehr, wie wir sind, was in jedem von uns steckt, was unsere wahre Natur ist.

Und nur von dort aus, mit dem Wissen um den Humus, den Schlamm, den wir alle in uns tragen, wird es möglich sein, etwas aufzubauen, das nicht beim ersten Versuch zerbröselt.

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