Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Eine "pilgernde" Ökumene. Die Reise des Papstes in den Irak

Omnes

10 de März de 2021

Lassen Sie mich mit einer wichtigen Prämisse beginnen, die für ein gutes Verständnis der außergewöhnlichen Gestalt von Papst Franziskus entscheidend ist: Der Heilige Vater versteht sein Amt als einen Dienst an der Einheit und Brüderlichkeit der Menschheit, und zwar mit großem Bewusstsein. Wenn der Nachfolger Petri immer ein echtes und wirksames Zeichen der Gemeinschaft für die Kirche ist, so hat der gegenwärtige Papst dieser seiner Funktion einen sehr lebendigen missionarischen Horizont verliehen, indem er den Samen der Einheit, den die Kirche darstellt, allen Menschen aller Glaubensrichtungen und Nationen anbietet.

In diesem Licht betrachtet, sollte die wichtige ökumenische Dimension der apostolischen Reise in den Irak, die Franziskus gerade abgeschlossen hat, nicht überraschen. Abgesehen von anderen sehr wichtigen Werten des Besuchs, wie dem interreligiösen Dialog mit dem Islam oder dem Trost, der den katholischen Gemeinden in einer jahrzehntelangen Krise gespendet wurde, war die Begegnung mit dem christlichen Osten einer der Schwerpunkte dieses historischen Moments.

Der Papst hält sich nicht mit Theorien auf, wenn es um die Aufnahme von Christen aus anderen Kirchen und Gemeinschaften geht. Vielmehr übt er einen Ökumenismus aus, den wir als "Pilgerökumene" bezeichnen könnten. Er begibt sich auf eine Reise und begegnet unterwegs Menschen, Gläubigen und Ungläubigen, und erkennt in diesen Zufällen einen Aufruf, sich zu öffnen, sich zu verschenken und zu vereinen. Dies ist die Perspektive, unter der der gesamte Besuch stattfand, wie uns der Heilige Vater selbst auf der Esplanade von Ur der Chaldäer erklärte, der Heimat des großen Patriarchen Abraham, der zum Schutzpatron der Kirche geworden ist. de facto dieser Reise. Dort erinnerte er sich an den Ruf Gottes, seine Heimat zu verlassen, sich auf den Weg zu machen und der Vater von so vielen Gläubigen zu sein, wie es Sterne am Firmament gibt. Dort bot er uns die Pilgerreise Abrahams als großes Symbol der Kirche und der Geschichte der Menschheit, ihrer gemeinsamen Sehnsüchte, ihrer Harmonie und ihrer Schwierigkeiten.

In der katholischen Kathedrale von Bagdad, einem heiligen Land, das mit dem Blut so vieler Märtyrer getränkt ist und an das die jüngste grausame Verfolgung durch die ISIS erinnert, hat Papst Franziskus uns einen schönen spirituellen Kommentar über die Gemeinschaft der Christen gegeben, durch die Metapher des Wandteppichs, mit einem fröhlichen Nicken zur persischen Kultur, mit der er gefeiert hat: Die Kirche sei wie ein Teppich, einzigartig und schön, gewebt aus so vielen Fäden und Stoffen unterschiedlicher Farben, so vielfältig wie die christlichen Gemeinschaften im Osten, mit einem Erbe an Spiritualität, Liturgie und pastoralen Formen, das einen Schatz für die Kirche in der ganzen Welt darstellt. Der Weber ist natürlich Gott, mit seinem Muster aus Kett- und Schussfäden, seiner Geduld mit Sorgfalt und Detailgenauigkeit, seinen Flicken, wenn sie zerbrochen und verworren erscheinen.

Als praktische Übung an diesem Webstuhl wurde ein historischer Meilenstein erreicht: ein Papst, der zum ersten Mal im chaldäischen Ritus geweiht wurdeDie irakische Kirche. Im 18. und 19. Jahrhundert schlossen sich einige christliche Gemeinschaften im Nahen Osten der römisch-katholischen Kirche an und bildeten die syro-katholische und die chaldäische Kirche, die auch heute noch bestehen, wenn auch in sehr geringer Zahl.

Ein weiteres wichtiges ökumenisches Ereignis war die Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Mar Gewargis der Assyrischen Kirche des Ostens, einem alten Christentum mit apostolischen Ursprüngen und semitischer Spiritualität, das in allen Regionen entlang der Seidenstraße missionierte und bis nach Indien und China reichte, und das auch durch das aufeinanderfolgende Martyrium der Perser, Mongolen und Türken gekennzeichnet war. Mit dieser Kirche, die seit Jahrhunderten von Rom getrennt ist, findet seit dem Pontifikat von Johannes Paul II. eine schrittweise Annäherung statt.

Mosul, Qaraqosh, Erbil... die Orte, die der Papst besucht hat, rufen ebenso spontan wie tragisch Bilder von Schlachten, zerstörten Städten und Opferzahlen in Erinnerung. Dass Franziskus diesem schrecklichen Album die Fotos von Freude, Umarmungen und hoffnungsvollen Blicken hinzugefügt hat, ist keine kleine Geste der Nächstenliebe. Mitten in dieser Fastenzeit hat Gott sein Volk getröstet. Im letzten Akt des apostolischen Besuchs, der in Erbil zelebrierten Messe, beschrieb der Heilige Vater in seiner Predigt, wie Jesus Christus zum Entsetzen seiner Zeitgenossen den Untergang der Tempel voraussagte und gleichzeitig ihre Wiederherstellung durch die Hand Gottes versprach. So kündigte er seine Auferstehung und das große Geschenk eines neuen Tempels an, der er selbst war und in dem wir alle versammelt sein werden. Die Einheit ist auch ein Weg zu Ostern.

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