Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Politik und Glaube. 29. Sonntag der gewöhnlichen Zeit (A)

Joseph Evans kommentiert die Lesungen des 29. Sonntags im Jahreskreis und Luis Herrera hält eine kurze Videopredigt.

Joseph Evans

19 de Oktober de 2023

Kyros der Große war der Kaiser des 6. Jahrhunderts v. Chr., der den Juden die Rückkehr aus dem babylonischen Exil und den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem ermöglichte. Er gilt als aufgeklärter Herrscher, der religiöse Toleranz praktizierte, um die von ihm regierten Völker für sich zu gewinnen. Er wird mehrfach in der Bibel erwähnt, die zwar seine Unkenntnis des einen wahren Gottes erwähnt, ihn aber als ein Instrument der Pläne Gottes sieht. So hören wir in der heutigen ersten Lesung, wie Gott durch den Propheten Jesaja zu Kyrus spricht: "Bei meinem Knecht Jakob, bei meinem Auserwählten Israel, habe ich dich beim Namen gerufen, habe dir einen Ehrentitel gegeben, obwohl du mich nicht kanntest"..

Die Kirche bringt diese Lesung mit dem heutigen Evangelium in Verbindung, um uns über das Wesen der politischen Autorität und ihre Rolle im Heilswerk Gottes zu belehren. Das Evangelium erzählt uns von der Episode, in der die Pharisäer und die Herodianer versuchten, Jesus in der Frage, ob er Steuern an den Kaiser zahlen sollte oder nicht, eine Falle zu stellen. Hätte Jesus gesagt: "Wir müssen zahlen", wäre er in den Augen des Volkes in Verruf geraten, das es zutiefst hasste, die von den römischen Invasoren auferlegten hohen Steuern zahlen zu müssen. Hätte Jesus aber gesagt: "Ihr müsst nicht zahlen", hätte er sich Ärger mit den Römern eingehandelt, die das Nichtzahlen von Steuern nicht dulden würden. Aber Jesus vermeidet diese Falle, indem er zum Kern der Sache vordringt: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist"..

Mit anderen Worten: Wir müssen die relative Autorität der weltlichen Macht respektieren. An anderer Stelle, im Brief an die Römer, lehrt der heilige Paulus: "Alle sollen sich der Obrigkeit unterordnen, denn es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott kommt, und die Obrigkeit, die es gibt, ist von Gott eingesetzt worden. Wer sich also der Obrigkeit widersetzt, widersetzt sich der Anordnung Gottes; und wer sich ihm widersetzt, bringt Verdammnis über sich selbst". (Röm 13,1-2). Der christliche Instinkt gebietet es, die politische Autorität zu respektieren, solange sie sich nicht durch eindeutige Tyrannei oder eklatanten Missbrauch der Menschenrechte völlig delegitimiert. Selbst jemand, der Gott nicht kennt, wie Cyrus, kann ein Werkzeug Gottes sein. Heißt das, dass alles, was ein politischer Führer tut, von Gott gesegnet ist? Offensichtlich nicht. Eine Regierung, die etwas Böses gutheißt oder fördert, wie z. B. die Abtreibung, verstößt gegen Gottes Willen, aber die Regierung selbst kann immer noch im Großen und Ganzen legitim sein und sollte daher respektiert werden. Eine Regierung müsste schon sehr weit gehen - zum Beispiel Völkermord fördern - um ihre Legitimität zu verlieren. Im Prinzip sind Christen keine Anarchisten, und wir respektieren die politische Autorität, wir sehen die Hand Gottes hinter ihr, und - so sehr es uns auch nicht gefallen mag - wir zahlen alle Steuern, die von uns erwartet werden, ohne zu versuchen, sie zu hinterziehen.

Predigt zu den Lesungen des 29. Sonntags im Jahreskreis (A)

Der Priester Luis Herrera Campo bietet seine nanomiliaEine kurze, einminütige Reflexion zu diesen Sonntagslesungen.

https://www.youtube.com/watch?v=dvRLBimUQa0
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