Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Geläutert von allem Bösen. Alle Verstorbenen (B)

Joseph Evans kommentiert die Lesungen für Allerseelen (B) und Luis Herrera hält eine kurze Videopredigt.

Joseph Evans

30 de Oktober de 2024

Die katholische Kirche entwickelte ihr Verständnis von der Realität des Fegefeuers mit Hilfe von Schrifttexten, die von der Läuterung der Seelen nach dem Tod (vgl. 2 Makk 12,39-45) und von einem reinigenden Feuer (1 Kor 3,12-15) sprechen. 

Das Buch der Offenbarung (Offb 21,27) sagt uns auch, dass nichts Unreines in den Himmel kommt, und da niemand völlig rein, völlig sündlos stirbt, deutet dies auf eine Form der geistigen Reinigung nach dem Tod hin, damit die Gerechten dann in den Himmel kommen können. Diese Vorstellung wurde durch die Lehren der Kirchenväter und die Schriften - und Visionen - der Heiligen bekräftigt.

Papst Benedikt XVI, in Spe Salvi 2007 (siehe Nr. 45-48) untersucht in einem erfrischend ökumenischen Geist die Möglichkeit, dass dieses rettende Feuer der brennende und reinigende Blick Christi ist (vgl. Offb 1,14).

Unsere eigene Lebenserfahrung unterstützt dieses Gefühl der Läuterung nach dem Tod zusätzlich. Wir alle, die wir Gott aufrichtig suchen, wissen, dass wir, wenn wir heute sterben würden, trotz all unserer aufrichtigen Wünsche, nach dem Tod immer noch eine Reinigung brauchen, um bereit zu sein, ihn zu sehen. "Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen".. Wir wissen, dass unsere Herzen dafür noch nicht rein genug sind: Sie müssen vollständig gereinigt werden, und unser Augenlicht braucht eine "Kataraktentfernung". Die geistliche Strafe besteht darin, dass ihm die Schuppen von den Augen entfernt werden, so wie dem alten Tobit die Schuppen von den Augen entfernt wurden (vgl. Tobit 3,17; 11,10-15). Es gibt auch eine gerechte Strafe zu erleiden. Gott hat uns zwar unsere Sünden vergeben, aber aus Gründen der Gerechtigkeit und damit wir uns des Bösen, das wir getan haben, voll bewusst werden (und damit auch in heilsamer Absicht), brauchen wir eine vorübergehende Strafe als Ausgleich für unser Fehlverhalten. 

Das Fegefeuer ist auch wie der Schmerz beim Anblick der Sonne: Gott wohnt in der Herrlichkeit, und unser schlechtes Sehvermögen muss sich erst an dieses Licht gewöhnen, bevor es sich ganz erheben kann, um es zu teilen. Schließlich befreit uns das Fegefeuer von unseren Fesseln, wie das Leiden, das ein Süchtiger empfinden muss, um von seiner Sucht loszulassen und so die Freiheit eines Lebens ohne sie zu genießen.

Es gibt eine ganze Reihe möglicher Texte für die heutigen Messlesungen, aber alle weisen auf unterschiedliche Weise auf die Realität des Todes und den Sieg Christi über ihn hin. Der heutige Tag - und der darauffolgende Monat - ist auch eine gute Gelegenheit, für unsere verstorbenen Lieben und für alle Seelen im Fegefeuer zu beten und so die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen praktisch zu leben und eine vorzügliche Nächstenliebe gegenüber denen zu üben, die sich nicht selbst helfen können, so wie wir denen, die für uns beten, wenn unsere Zeit im Fegefeuer kommt, zutiefst dankbar sein werden.

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