Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem: "Wir müssen uns für eine Einstellung der Feindseligkeiten einsetzen.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, kehrte am 9. Oktober in das Heilige Land zurück. Aus einer stark veränderten Heiligen Stadt beantwortet er die Fragen von Omnes.

Loreto Rios

16 de Oktober de 2023

Pierbattista Pizzaballa ©CNS photo/Carol Glatz

"Jetzt müssen wir nur noch beten". Der Kardinal Pierbattista Pizzaballa ist sich bewusst, dass die Situation im Heiligen Land von Tag zu Tag komplizierter wird. Vielleicht wie nie zuvor. Die Lateinischer Patriarch von Jerusalem beantwortet Omnes' Fragen aus einer Heiligen Stadt, die er selbst als fast gelähmt beschreibt. "Die meisten Aktivitäten sind eingestellt, die Schulen sind geschlossen. Nur diejenigen, die gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen, gehen auf die Straße. Es ist eine surreale Situation, in der Spannung, Angst und Nervosität vorherrschen", sagt er mit besorgter Stimme.

Eine schreckliche Überraschung

Wut, Hass, Ressentiments und Rachegelüste sind die Gefühle, die sowohl die israelische als auch die palästinensische Bevölkerung - mit offensichtlich gegensätzlichen Motiven - wie ein überlaufender Fluss durchströmen. Der Bericht des Kardinals ist erschütternd: "Was wir erleben, kann man nicht wirklich als Eskalation der Gewalt bezeichnen. Es ist etwas anderes. Es ist ein großer Sprung, schmerzhaft, unvorstellbar, auf den niemand vorbereitet war. Es ist eine schreckliche Überraschung.

Verfinsterte Hoffnung

So wie es aussieht, scheint die Hoffnung fast in den Hintergrund getreten zu sein. Daraus macht der Patriarch keinen Hehl, wenn er sich klar ausdrückt und sagt, dass es leider "kompliziert ist, von Hoffnung zu sprechen. Jetzt müssen wir auf die Einstellung der Feindseligkeiten hinarbeiten. Erst dann wird es möglich sein, ausgehend von den vielen Trümmern, vor allem den menschlichen, die diese Situation hinterlässt, wieder aufzubauen. Aber das wird sehr lange dauern", sagt er.

Auswirkungen auch auf die Kirche

Der Krieg im Heiligen Land geht auch an der Kirche nicht spurlos vorbei. Die kirchlichen Aktivitäten", so Pizzaballa, "sind auf ein Minimum reduziert. Natürlich beten wir weiter und feiern die Heilige Messe, auch wenn nicht alle daran teilnehmen können, weil die palästinensischen Gebiete geschlossen sind. Wir stellen auch weiterhin humanitäre Dienste sicher".

Der schwierige Weg der Diplomatie

Im Moment sieht der Kardinal keinen großen Spielraum für diplomatische Manöver, denn, so erklärt er, "es ist noch zu früh: Wir sind noch mitten in der militärischen Spannung, in den Emotionen. Vielleicht wird es in ein paar Tagen einfacher sein, einen Gesprächspartner und einige Kommunikationskanäle zu finden. Pizzaballas Engagement an dieser Front besteht darin, "zu versuchen, die Beziehungen wiederherzustellen, mit den verschiedenen religiösen Führern zu sprechen und mögliche Wege der Konfrontation zu finden", sagt er.

Der Appell an die internationale Gemeinschaft

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem appellierte dann an die internationale Gemeinschaft: "Sie muss sich sofort für eine Deeskalation dieses Konflikts einsetzen, denn wenn er weitergeht, ist die Gefahr einer Ausbreitung fast sicher. Das wäre eine große Tragödie, die weit über diese Grenzen hinausgehen würde".

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