Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Daniel Martín SalvadorDie Musik muss das Wort verstärken".

Daniel Martín Salvador, Organist und Musikwissenschaftler, spricht in Omnes über Liturgie, Musik, Kunst und die Kirche.

Paloma López Campos

21 de Dezember de 2022

Daniel Martín Salvador
Daniel Martín Salvador während eines Konzerts in Moskau (Foto: Aufgenommen aus einem Video von Daniel Martín Salvador).

Daniel Martín Salvador, Musikwissenschaftler und Organist, ist einer der ersten Namen, die uns in den Sinn kommen, wenn wir an geistliche Musik denken. Er konzertiert in großen internationalen Konzerthäusern. Heute pendelt er zwischen Madrid und Moskau und hat sich mit Omnes über Musik, Liturgie und Kunst unterhalten.

Welches Verhältnis haben Sie zur geistlichen Musik?

- Das ist kein großes Geheimnis. Alle Organisten sind mit der Kirchenmusik verbunden. Die Orgel ist ein Instrument, das aufgrund seiner Identität voll und ganz mit der Kirchenmusik und der Liturgie verbunden ist. Hätte ich mich einem anderen Instrument gewidmet, hätte ich diese Beziehung vielleicht nicht gehabt, aber als Organist ist das undenkbar.

Die Orgel ist im Wesentlichen ein Instrument der Kirche, und daher muss der Organist die gesamte Liturgie kennen. Das bedeutet, dass man eine sehr enge Beziehung zu all dieser Musik hat, was bei anderen Instrumenten nicht der Fall ist.

Wie kommt die Beziehung zwischen Kirche, Musik und Liturgie zustande?

- Die Beziehung zwischen Musik und Liturgie besteht seit Menschengedenken. Lange vor dem Christentum war die Musik zunächst mit den Instinkten und dann mit dem Jenseits, mit nicht greifbaren Dingen verbunden.

Für die frühesten Zivilisationen spielte die Musik eine unverzichtbare Rolle in ihren polytheistischen Religionen. Die Griechen haben dies von den Ägyptern geerbt und die Römer von den Griechen. Auch die Juden hatten diese Beziehung. Dann wurde das Christentum geboren, das mit seiner Ausbreitung in Europa all die jüdischen und mystischen Traditionen vereinte, die im Römischen Reich verbreitet waren.

Die Musik in der Kirche ist hauptsächlich aus dem Gesang der jüdischen Psalmen hervorgegangen. Daraus entstand ein ganzes System von liturgischer Musik. Das Interessanteste daran ist, dass die entstehende Liturgie vollständig gesungen wird. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Panorama in dem Sinne verändert, dass die Messen jetzt gesprochen werden, mit musikalischen Momenten, aber in der ursprünglichen Konzeption war die Liturgie nicht so. Am Anfang wurde wirklich alles gesungen. Tatsächlich halten die Orthodoxen, die sich kaum von den Katholiken unterscheiden, an der alten Form der Messfeier fest. Sie singen alles außer der Predigt, die der einzige gesprochene Teil ist. All dies, weil Musik und Liturgie in Wirklichkeit aus einem Guss sind.

Was können die Katholiken vom orthodoxen liturgischen Ritus lernen?

- Was wir tun müssen, ist, die Dinge zu verlernen, die wir auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gelernt haben. Die Orthodoxen tun immer noch das, was wir Katholiken früher getan haben. Tatsächlich stammt die gesamte Musik, die wir heute haben, aus der katholischen liturgischen Musik. Der Gesang der katholischen Kirche war der gregorianische Gesang, aber im 12. Jahrhundert begann man in Paris, den gregorianischen Gesang zu "verschönern". So entstanden die ersten Formen der Mehrstimmigkeit. Diese verschiedenen Stimmen entwickelten sich, bis wir in der Mitte des Mittelalters die Renaissance erreichen.

In der Renaissance, auf dem Konzil von Trient, hat die Kirche ein sehr umfangreiches Kapitel über die Musik in der Liturgie verfasst. Von da an entstand gleichzeitig eine Musik, die sehr ähnlich, aber profan war. Aus dieser religiösen Musik hat sich alles entwickelt. Madrigale wurden geboren, dann die Oper, die Romantik, der Klassizismus... Und die Entwicklung geht weiter.

Wir können von diesem orthodoxen Ritus nichts mehr lernen, weil wir uns so sehr weiterentwickelt haben, dass wir am Ende unfreiwillig geworden sind. Glücklicherweise gibt es in letzter Zeit eine Tendenz, zu den Wurzeln zurückzukehren, und zwar im Rahmen der Normen des Rates. 

Daniel bei einem Konzert in Moskau

Das Problem ist, dass viele Menschen denken, dass das Zweite Vatikanische Konzil den gregorianischen Gesang und die Orgel abgeschafft hat, aber das ist nicht der Fall. Das Zweite Vatikanische Konzil besagt, dass die offizielle Sprache der katholischen Kirche Latein ist, und was die Musik betrifft, so ist die offizielle Sprache der gregorianische Choral. Aber in den 1970er Jahren kamen Gitarren in Mode, und es war sehr üblich, Lieder mit Gitarren in die Liturgie einzuführen, was eine Art "Protestantisierung" der katholischen Liturgie darstellt.

Wir haben uns bemüht und gesagt, dass die Musik vom Heiligen Geist kommt, aber jetzt singen wir Beatles-Coversongs. Das passt nicht in die Liturgie.

Benedikt XVI., der ein Musikstudium absolviert hat und ein großer Kenner der Liturgie ist, hat sich mit Menschen umgeben, die ebenfalls große Komponisten und Liturgiker waren, was dazu beiträgt, den Menschen die sakrale Musik näher zu bringen und gleichzeitig die Wurzeln zu bewahren. Nach und nach öffnen sich die Türen für eine Reform der Liturgie.

Warum bringt uns sakrale Musik näher zu Gott?

- Weil die Musik dafür gemacht ist. Zunächst einmal steht sie im Dienst des Wortes, und das ist das Wichtigste. Musik ist, in einer nicht-mathematischen Definition, ein Ausdruck von Gefühlen. In der Kirche hat die Musik die Aufgabe, die Seele in den Himmel zu erheben, so dass man sagen kann, dass die Beziehung umgekehrt ist. Es geht nicht um Gefühle, das Wort Gottes ist das Wort Gottes, es ändert sich nicht wie Gefühle.

Zweitens wurde in der Kunst bis zum 19. Jahrhundert alles zur größeren Ehre Gottes getan. Der Mensch ist in der Lage, monumentale Anstrengungen für die größere Ehre Gottes zu unternehmen. Das hilft uns, Gott näher zu kommen. Sie bringt uns zu Ihm.

Ist es das Wichtigste, im Dienst des Wortes zu stehen, wenn man geistliche Musik komponiert?

- Ja, das ist etwas, was die geistliche Musik selbst verlangt. Im Allgemeinen Direktorium des Römischen Messbuchs heißt es, dass die Musik immer das Wort verstärken und niemals ablenken soll. Wenn ein Komponist Musik für die Liturgie schreibt, muss er daher in erster Linie versuchen, den Text verständlich zu machen. Das Wort muss das Wichtigste sein, es darf nicht durch die Musik verfälscht werden. Wenn es dann an die Musik geht, muss sich der Text durch die Komposition ziehen. Ein sehr deutliches Beispiel dafür ist die Magnificat von Bach. Bach ist ein Dichter-Musiker, der größte Vertreter der liturgischen Musik, ungeachtet der Tatsache, dass er ein Protestant war. Die Vorstellungen von der Liturgie waren die gleichen, und er ist ein Beispiel dafür, wie diese Musik komponiert werden sollte.

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