Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

"Wir dürfen nicht müde werden, für den Frieden zu beten", sagt ein arabischer Christ in Nazareth

Kameel Spanyoli ist ein arabischer Christ, der in Nazareth lebt. Bei Omnes hatten wir die Gelegenheit, sein Zeugnis zu hören und zu erfahren, wie er in diesen schwierigen Zeiten im Heiligen Land lebt.

Loreto Rios

13 de Oktober de 2023

Ein Pilger betet auf den Stufen der Grabeskirche in Jerusalem, 10. Oktober 2023 ©OSV News photo/Debbie Hill

Kameel Spanyoli ist ein 44-jähriger arabischer Christ mit einem Abschluss in Kommunikation von der Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz und lebt in Nazareth, wo er mit dem Franziskanerorden zusammenarbeitet.

Zu den gegenwärtigen Ereignissen in Israel sagt er: "Es ist die vergiftete Frucht eines langen Prozesses, der in der erbitterten Konfrontation zweier Extremismen gipfelt. Diejenigen, die den Preis dafür zahlen, sind leider die Zivilbevölkerungen auf beiden Seiten".

Kameel Spanyoli

Wir weisen ihn jedoch darauf hin, dass die Verantwortung der Hamas ebenso offensichtlich wie verachtenswert ist. "Letzten Samstag", antwortet er, "sind Hunderte von Terroristen aus dem Gazastreifen in Israel eingefallen und haben Unschuldige massakriert. Sie schossen nicht auf Soldaten, sondern auf junge Menschen, auf junge Leute, die auf einer Party tanzten, auf ein Elternpaar, das bei einem Familienfrühstück saß, auf alte Leute, die im Garten arbeiten wollten. Dutzende von Israelis wurden entführt. Die Entführer stellten mit entblößten Gesichtern und mit erschreckendem Stolz Videos von den Entführungen ins Internet. Viele Israelis erfuhren durch die sozialen Medien und das Fernsehen, dass ihre Angehörigen entführt worden waren. Das ist wirklich verabscheuungswürdig.

Die Rolle der christlichen Gemeinschaft in Israel

Nach dem Aufruf zum Frieden in Israel Papst Franziskus rief den Pfarrer von Gaza angesichts der immer dramatischeren Eskalation des Krieges an und drückte ihm beim Angelus am letzten Sonntag während der Synode seine Sorge und Nähe aus. Wir haben Kameel gefragt, welche Rolle die christliche Gemeinschaft im Staat Israel spielen kann.

"Zuallererst", sagt er, "dürfen wir nicht müde werden, dafür zu beten, dass die Verantwortlichen auf beiden Seiten bei der Suche nach einer Friedenslösung oder, zumindest in dieser schrecklichen Phase, einem Waffenstillstand die Wahrheit sagen. Es sterben unschuldige Zivilisten, selbst für Frauen und Kinder gibt es keine Gnade. Die christliche Gemeinschaft hier ist kein Monolith: die in Jerusalem ist anders als die in Gaza. Die christliche Welt ist sich jedoch einig in der Verteidigung Israels gegen die feige Aggression der Hamas, trotz der von ultraorthodoxen Juden geschürten Spannungen und feindseligen Äußerungen uns gegenüber".

Am Montag veröffentlichte die israelische Tageszeitung Haaretz ein Video, das eine Gruppe von Juden zeigt, die in der "Altstadt" Jerusalems, wo sich mehrere christliche, jüdische und islamische heilige Stätten befinden, in Richtung christlicher Pilger spuckt. Haaretz fügte hinzu, dass es zu weiteren derartigen Vorfällen kam, als viele jüdische Extremisten die Jerusalemer Altstadt zum Sukkot-Fest besuchten, einem der wichtigsten jüdischen Feiertage, der an die in der Bibel beschriebene Befreiung der Juden aus Ägypten erinnert. Es stellt sich die Frage, ob eine Ausweitung des Konflikts durch das Eingreifen anderer Länder zu befürchten ist.

"Lasst uns nicht müde werden, für den Frieden zu beten".

"Besorgniserregend", so Kameel, "ist die Haltung einiger Politiker wie des Ministers für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir, der den sofortigen Kauf von 10.000 Schusswaffen für Zivilisten angeordnet hat. In unmittelbarer Zukunft, so kündigte der Minister an, werden 4.000 Sturmgewehre an die Mitglieder der so genannten 'Alarmteams' verteilt, die aus Freiwilligen mit militärischer Erfahrung bestehen und in allen israelischen Kleinstädten tätig sind. In diesem Fall ist die Militarisierung der normalen Bürger ein ernstes Warnsignal. Natürlich würde eine eventuelle vollständige Einbindung der Hisbollah unabsehbaren Schaden anrichten und höchstwahrscheinlich ein Eingreifen der USA gegen den Libanon nach sich ziehen. Lasst uns nicht müde werden, für den Frieden und die Weisheit der Menschen zu beten".

Dies ist die letzte Ermahnung von Kameel Spanyoli, die an die Worte von Papst Franziskus erinnert: "Terrorismus und Extremismus tragen nicht zu einer Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern bei, sondern nähren Hass, Gewalt und Rache und führen nur zu gegenseitigem Leid".

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