Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

100 Tage Papst Leo XIV: zwischen Zuhören, Tradition und ersten Gesten

Papst Leo XIV. wurde am 8. Mai gewählt, der 16. August ist also das Datum seiner Wahl. 100 Tage, seit er als neuer Papst auf den Balkon des Petersdoms getreten ist. Am 14. September wird er 70 Jahre alt.

Javier García Herrería

16. August 2025

100 Tage
©CNS photo/Vatican Media

Weit davon entfernt, mit exekutiver Geschwindigkeit zu handeln, hat der Papst es vorgezogen, seine ersten Monate damit zu verbringen, zuzuhören. Unmittelbar nach seiner Wahl berief er eine Vollversammlung des Kardinalskollegiums und persönliche Treffen mit den Leitern der vatikanischen Dikasterien ein. Er bestätigte vorläufig die derzeitigen Leiter der Kurie und behielt sich für September und Oktober die ersten wichtigen Ernennungen vor, darunter die seines Nachfolgers an der Spitze des Bischofsamtes.

Er hat noch nicht bestätigt, wo er wohnen wird, obwohl alles darauf hindeutet, dass er in die päpstliche Wohnung im Apostolischen Palast zurückkehren wird, die derzeit renoviert wird.

Leo XIV. ist zur klassischen päpstlichen Kleidung zurückgekehrt und hat den Sommer in Castel Gandolfo verbracht, was einen Stilwechsel gegenüber seinem Vorgänger bedeutet.

Pastorale Prioritäten

In seinen ersten Ansprachen unterstrich der Papst sechs Achsen seines Amtes: den Primat Christi in der Verkündigung, die missionarische Bekehrung, das Wachstum der Synodalität, den Wert der Sensus Fidei des Volkes Gottes, die Sorge um die Schwachen und der mutige Dialog mit der Welt von heute. "Wir wollen eine Kirche sein, die den Weg geht, die den Frieden und die Nächstenliebe sucht, vor allem mit denen, die leiden", sagte er in seinem ersten Grußwort.

Enger Kontakt mit den Gläubigen

Woche für Woche hat Leo XIV. gezeigt, dass er sich im direkten Kontakt mit den Menschen, die in den ersten Monaten in großer Zahl zu den Audienzen und zum Angelus strömten, immer wohler fühlt. Beim jüngsten Jugendjubiläum und bei der Begegnung mit den digitalen Missionaren hat er seine Nähe zu den jungen Menschen unter Beweis gestellt.

Als Augustiner von Ausbildung und Überzeugung bezeichnet sich der Papst als "Sohn des heiligen Augustinus" und zitiert in seinen Predigten und Katechesen häufig diesen Kirchenlehrer sowie andere Väter. Diese Betonung unterstreicht seine Absicht, das pastorale Handeln in einer lebendigen, an Christus orientierten Tradition zu verankern.

Was kommt als Nächstes?

Nach dieser Anfangsphase steht das Pontifikat Leos XIV. vor wichtigen Entscheidungen: Ernennungen von Kurien, die Behandlung heikler Fälle und die Festlegung seines Regierungsteams. Im Herbst wird sich zeigen, inwieweit sein Stil des Zuhörens, der Mäßigung und der Entschlossenheit in konkrete Taten umgesetzt werden wird.

Bisher haben seine ersten 100 Tage das Bild eines nachdenklichen, zutiefst christozentrischen Hirten gezeichnet, der das Erbe seiner Vorgänger mit seinen eigenen Gesten verbinden will. Ein Papst, der sich nicht aufdrängt, sondern die Kirche durch Dialog und Beispiel führen will. Das größte Verdienst, das einhellig anerkannt zu werden scheint, ist zweifelsohne die enorme Entspannung der innerkirchlichen Spannungen und Polarisierungen.

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