Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Jacques Philippe: "Beten heißt vor allem, eine Gegenwart zu empfangen".

Jacques Philippe ist zweifelsohne einer der bekanntesten spirituellen Autoren unserer Zeit. Durch seine zahlreichen Werke und Exerzitien hat dieser Autor Tausende von Menschen, Laien, Priester, Konvertiten oder auch Nicht-Gläubige, auf den Weg des Gebets und des christlichen Lebens in der heutigen Welt geführt.

Maria José Atienza

31 de März de 2021

JACQUES PHILIPPE_pp

Omnes Die gedruckte Ausgabe vom April 2021 enthält ein Interview mit dem Franzosen, der Mitglied der Gemeinschaft der Seligpreisungen ist, in dem er aktuelle Fragen wie Schmerz, Freiheit und die Notwendigkeit des Gebets in unserer Welt beantwortet.

Die Erfahrung der Pandemie hat viele Nichtgläubige verunsichert", aber auch viele andere, die gläubig sind und sich nun fragen: Wie kann Gott diese Situation zulassen?

Wir sind mit der ewigen Frage nach der Existenz des Bösen in der Welt konfrontiert. Die eigentliche Frage, die wir uns stellen müssen, lautet meiner Meinung nach nicht: "Warum diese Situation?", denn es gibt immer eine Unbekannte... sondern "Wie kann ich diese Situation positiv erleben und sie als Möglichkeit für menschliches und geistiges Wachstum begrüßen?"

Ich habe festgestellt, dass diese Situation viele Menschen zu einem geistlichen Sprung veranlasst hat, zu einer größeren Intensität des Gebets, zu einem stärkeren Engagement für die Verkündigung des Evangeliums, zum Beispiel dank des Internets. Es liegt an jedem Einzelnen zu entdecken, wie diese Situation ihn oder sie dazu einlädt, im Glauben, in der Hoffnung und in der Nächstenliebe voranzukommen.

Haben wir als Gesellschaft geglaubt, wir könnten tun, was wir wollten? Hatten wir nicht auch diese menschliche Erfahrung in den Bereich des christlichen Lebens eingebracht?

Manchmal tun wir das. Die Zerbrechlichkeit, ja sogar die Ohnmacht, die wir erleben, erinnert uns daran, dass der Glaube nicht die Ausübung von Macht ist, sondern die Übergabe unserer Schwäche und Zerbrechlichkeit in die Hände Gottes. Diese Situation der Schwäche, in der wir uns befinden, lädt uns ein, unsere Sicherheit nicht in unserer Macht zu suchen, in unserer Fähigkeit, sie zu lösen oder zu verstehen, sondern unsere Sicherheit in die vertrauensvolle Übergabe in die Hände unseres himmlischen Vaters zu legen, wie es uns das Evangelium vorschlägt.

Wie spricht ein Mensch wie Jacques Philippe, der sein Leben dem Gespräch über Gott widmet, mit Gott?

Ich verwende oft die Worte der Heiligen Schrift, insbesondere die Psalmen, und die Gebete, die uns von der Kirche angeboten werden. Ich glaube, dass es beim tiefsten Gebet nicht so sehr darum geht, mit Gott zu sprechen, sondern einfach nur darum, in einem Akt des Glaubens in seiner Gegenwart zu sein, seine Liebe anzunehmen und sich ihm im Gegenzug anzubieten. All dies durch eine sehr einfache Herzenshaltung, jenseits von Worten und sensiblen Erfahrungen. Beten heißt vor allem, eine Gegenwart zu empfangen.

Eines der Merkmale unserer Welt ist die Selfie-Kultur: Wir sehen uns ständig selbst an. Wie können wir dies in unserer Beziehung zu Gott verhindern?

In unserer Welt gibt es eine gewisse Besessenheit vom Selbstbild. Wir versuchen, anderen ein gutes Bild von uns zu vermitteln. Am Ende existieren wir nur noch in den Augen der anderen. Das Gebet hilft uns, unter dem Blick Gottes zu leben. Unsere wahre Identität, unsere tiefe Schönheit, ist nicht etwas, das wir produzieren oder fabrizieren müssen, von dem wir andere überzeugen müssen, sondern etwas, das wir frei von Gott empfangen.

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