Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Pflegende Verbindungen

Heute ist es wichtiger denn je, unsere persönlichen Bindungen zu pflegen, insbesondere die der Familie und der Freundschaft. Kultivieren Sie sie wie die Pflanze, die wir am meisten schätzen. Der Sommer bietet uns eine privilegierte Zeit dafür.

Montserrat Gas Aixendri

22 de Juli de 2022

Paarbindungen

Heute denken viele Menschen, dass man in dem Maße freier - und glücklicher - ist, in dem man frei von Bindungen bleibt. Die Bindung an andere ist eine Bindung, die einschränkt und auf lange Sicht einschließt. Es ist kein Zufall, dass wir auf diese Weise denken.

Der im Westen vorherrschende Liberalismus hat uns zu einem zunehmend individualistischen und selbstbezogenen Lebensstil geführt.

Aus dieser Sicht werden persönliche Beziehungen zu einem Instrument, um unsere Ziele zu erreichen, oder zu einer Last, die uns daran hindert, das zu tun, was wir tun wollen. Dies führt zu dem, was Bauman als den "flüssigen Zustand" der neuen Generationen bezeichnet hat: "lose" Individuen, ohne Wurzeln in der Vergangenheit, mit einer flüchtigen Identität und wenig Projektion in die Zukunft.

Diese Beziehungsarmut führt zu Einsamkeit. Aus diesem Grund sind die kürzlich geschaffenen "Ministerien für Einsamkeit" nicht die Idee der ursprünglichen Regierungen, sondern der Versuch, auf ein wachsendes Problem zu reagieren.

Beziehungen sind dazu da, zu verbinden, nicht zu binden. Menschliche Beziehungen sind an sich schon ein Reichtum, denn sie ermöglichen es uns, aus uns selbst herauszugehen und von anderen zu empfangen. Wenn dies in einem Kontext der bedingungslosen Liebe geschieht, wie z. B. in der Familie, ist der Nutzen unermesslich. Deshalb sollte der größte Schatz für jeden Menschen "sein eigener" sein.

Die italienische Neuropsychiaterin Mariolina Ceriotti, die ich schon einmal zitiert habe, sagt, dass nicht die Beziehungen das Problem sind, sondern das Fehlen des richtigen Gleichgewichts zwischen ihnen. Damit eine Beziehung funktioniert, ist es sehr wichtig, den richtigen Platz in der Familie einzunehmen, die Grenzen des anderen zu respektieren und in der Beziehung zu anderen Menschen die richtige Distanz zu wahren. Viele persönliche und familiäre Krisen haben oft mit dem Versagen eines dieser Aspekte zu tun. 

Heute ist es wichtiger denn je, unsere persönlichen Bindungen zu pflegen, insbesondere die der Familie und der Freundschaft. Kultivieren Sie sie wie die Pflanze, die wir am meisten schätzen. Der Sommer bietet uns eine privilegierte Zeit dafür.

Time-Sharing testet das notwendige Gleichgewicht der Bindungen: Es kann eine Zeit der Trennung oder eine Zeit der verstärkten Bindung sein.

Mein Vorschlag kann kein anderer sein: Es sollte eine Zeit sein, in der Familienbeziehungen Priorität haben; eine Zeit, in der wir den gemeinsamen Raum nutzen, um uns besser kennen zu lernen; in der wir den Menschen um uns herum das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein; in der wir Aufgaben und Verantwortung teilen; in der wir kreative Unterhaltung fördern und das rein Passive begrenzen.

Kurzum, das Familienleben als das zu genießen, was es ist: ein echtes Geschenk für alle.

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