Jetzt, da wir den neuen Lehrplan für Religion überdenken, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Schlüssel zu entdecken, die uns dabei helfen werden, dass dieser Lehrplan seinen Lehr- und Lernauftrag wirklich erfüllt.
Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir der berühmte Satz des heiligen Irenäus von Lyon in den Sinn: "Die Herrlichkeit Gottes besteht darin, dass der Mensch lebt", und ich denke, dass er uns eine eindrucksvolle Vision vermittelt. Vor allem, wenn wir den zweiten Teil des Satzes des heiligen Bischofs nicht streichen: "Das Leben des Menschen besteht darin, Gott zu betrachten".
Bei dieser Aufgabe, die der schulische Religionsunterricht darstellt, gibt es zwei Ufer eines Flusses, die miteinander verbunden werden müssen: Gott und der Mensch. Der Lehrplan muss es richtig machen, und das ist seine wichtige und manchmal komplizierte Aufgabe. Vielleicht sind wir zu anderen Zeiten zu sehr von einem theologischen Inhalt ausgegangen, den wir den Kindern und Jugendlichen anpassen und erklären mussten. Ein Inhalt, den der Religionslehrer sinnvoll zu gestalten suchte und in den er einen Großteil seiner Energie investierte.
Der Satz des heiligen Irenäus lädt uns ein, diesen Weg zwischen Mensch und Gott zu gehen, aber in einer anderen Richtung. Auf den Menschen zuzugehen, mit seiner ganzen Sehnsucht nach Leben und Leben in Fülle. Auf seine Sorgen, seine Kämpfe, seine Wunden, seine Sehnsüchte zu hören ... und ihm zu helfen zu entdecken, dass Gott selbst diese Sehnsüchte erfüllen will. Dass seine Geschichte ihm nicht fremd ist. Dass die Herrlichkeit Gottes darin besteht, dass dieses Kind das volle Leben erreicht, dass dieser junge Mensch mit all der Kraft lebt, die Gott selbst in sein Herz gesät hat. Jesus sagte: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10).
Dies wird uns zu einem Lehrplan mit rein pädagogischem Schwerpunkt führen, dessen zentrales Ziel die volle und ganzheitliche Reifung des Schülers auf der Grundlage der vom Christentum vorgegebenen Schlüssel ist.
Dieses Projekt muss jedoch von zwei Grundannahmen getragen werden, die, wenn sie nicht angemessen berücksichtigt werden, den Lehrplan und den schulischen Religionsunterricht selbst zum Scheitern verurteilen können.
Einerseits müssen wir dem Heiligen von Smyrna aufmerksam zuhören und auch den zweiten Teil des Satzes betonen. Es ist wahr, dass Gott will, dass der Mensch lebt, aber das Leben des Menschen besteht darin, Gott zu betrachten. Diese tiefe Sehnsucht des Herzens, die alle Menschen verspüren, hat einen Namen: Gott. Er ist die Quelle des Lebens, und wenn wir dem Menschen Gott wegnehmen, nehmen wir ihm nicht eine mehr oder weniger interessante Idee, sondern die Quelle seines eigenen Lebens weg. Denn vielleicht ist das das große Problem der Weitergabe des Christentums, dass wir Gott selbst zu einer Idee und das Christentum zu einer Ideologie gemacht haben, obwohl es etwas ganz anderes ist. Gott ist eine Person und das Christentum ist eine Begegnung. Aus diesem Grund muss der junge Mensch und seine Reifung im Mittelpunkt des Lehrplans stehen, in dem die persönliche Begegnung mit Gott die Fülle aller Dimensionen seines Seins ist.
Die zweite Säule, auf die sich das Projekt stützen sollte, ist eine korrekte Anthropologie. Und das ist nicht etwas Abstraktes oder nur Spekulatives. Falsche anthropologische Visionen führen zu unvollständigen und unstrukturierten persönlichen Verwirklichungen, die Frustration erzeugen. Wir müssen unseren jungen Menschen eine Vision des Menschen bieten, die als Referenz für die vollständige und reife Integration aller Dimensionen ihres Lebens dient. Das bedeutet aber auch, dass der Lehrplan selbst diese klare Vision in seinem Kern haben muss. Wie so oft dürfen wir nichts als selbstverständlich hinnehmen, wir müssen der Katze das Fell über die Ohren ziehen und uns darüber im Klaren sein, was für ein Modell von Mensch wir haben.
Vielleicht wirft der heilige Irenäus von Lyon selbst ein neues Licht auf diese Frage, wenn er sagt, dass "Christus aufgrund seiner unendlichen Liebe das geworden ist, was wir sind, um uns ganz zu machen, was er ist".
Der Horizont dessen, was wir zu sein berufen sind, das beste anthropologische Modell, das wir unseren jungen Menschen präsentieren können, das Zentrum des Lehrplans, egal in welche Richtung wir die Brücke, die den Menschen mit Gott verbindet, beschreiten, ist kein anderer als Jesus Christus.
Wenn wir uns über diese Grundsätze im Klaren sind - der Mensch und seine Reifung, Gott als die Fülle des Lebens und eine klare Anthropologie mit Christus als maßgeblichem Bezugspunkt -, kann der Religionsunterricht in der Schule einen großen Beitrag zum Bildungssystem und zum Leben der Kinder und Jugendlichen leisten.