{"id":17090,"date":"2021-12-04T06:00:00","date_gmt":"2021-12-04T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/omnesmag.com\/?p=17090"},"modified":"2021-12-04T21:10:02","modified_gmt":"2021-12-04T20:10:02","slug":"die-ikone-von-mariapocs-wo-original-und-kopie-weinten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/en\/die-ikone-von-mariapocs-wo-original-und-kopie-weinten\/","title":{"rendered":"Die Ikone von M\u00e1riap\u00f3cs. Wo Original und Kopie weinten"},"content":{"rendered":"<p>Ungarn Ende des 17. Jahrhunderts. Das Land wurde soeben gro\u00dfteils von der T\u00fcrkenherrschaft befreit, weite Teile sind durch die 150 Jahre andauernden st\u00e4ndigen Kriege noch entv\u00f6lkert. Nun sind die \u00f6sterreichischen Habsburger Herren \u00fcber das Land, doch viele aus Adel und Volk sind unzufrieden, dass der K\u00f6nig von Ungarn nun nicht mehr in der K\u00f6nigsburg von Buda (einem Teil des heutigen Budapest), sondern im fernen Wien residiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der kleinen griechisch-katholischen Holzkirche im Dorf P\u00f3cs \u2013 heute im Nordosten des Landes gelegen \u2013 steht damals eine einfache Marienikone, gemalt vom Bruder eines Pfarrers. Sie geh\u00f6rt dem Typ der \u201eHodegetria\u201c (Wegweiserin) an und zeigt Maria, wie sie mit dem Finger auf das Jesuskind auf ihrem Arm weist. Eines Tages, am 4. November 1696, merkt w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie ein anwesender Bauer, dass aus den Augen der Ikone Tr\u00e4nen flie\u00dfen. Das Ph\u00e4nomen, das mit Unterbrechungen bis zum 8. Dezember andauert, wird umgehend von kirchlichen und weltlichen Stellen untersucht. Ungarn ist konfessionell stark zersplittert, doch dieser Umstand erweist sich im Fall der Pr\u00fcfung des Wunders als Gl\u00fccksfall: Nicht nur Katholiken, sondern auch zahlreiche lutherische und calvinistische Christen bezeugen die Authentizit\u00e4t des Ereignisses.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Kaiser Leopold I. und vor allem seine Gattin Eleonore Magdalena werden aufmerksam auf das Ereignis. Bald f\u00e4llt die Entscheidung: Das wunderbare Bild muss in das Zentrum des Reiches, in die Residenzstadt Wien gebracht werden! Am 1. M\u00e4rz 1697 wird die Ikone in P\u00f3cs abmontiert und gegen den Willen der Bev\u00f6lkerung nach Wien \u00fcberf\u00fchrt, wo es monatelang mit zahlreichen Festmessen und Prozessionen gefeiert wird. Ihren endg\u00fcltigen Platz bekommt die Ikone im Stephansdom, der Kathedrale der Stadt. Noch verst\u00e4rkt wird die Verehrung des Gnadenbildes im Reich, als blo\u00df wenige Monate sp\u00e4ter, am 11. September 1697, Prinz Eugen von Savoyen bei der Schlacht von Zenta (damals Ungarn, heute Serbien) einen Sieg \u00fcber die Osmanen feiert. Der Triumph wird vom Kaiserhaus und Predigern der damaligen Zeit der F\u00fcrsprache der Muttergottes von P\u00f6tsch &#8211; wie der ungarische Ort im deutschen Sprachraum genannt wird &#8211; zugeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bewohner des Dorfes sind zun\u00e4chst entt\u00e4uscht, dass ihnen \u201eihre\u201c wundersame Ikone genommen worden ist. Erst nach zehn Jahren erh\u00e4lt P\u00f3cs eine Kopie des Gnadenbildes. Doch siehe da: W\u00e4hrend das Original in Wien seitdem keine Tr\u00e4ne mehr vergossen hat, ereignete sich in P\u00f3cs bereits am 1. August 1715 das n\u00e4chste Tr\u00e4nenwunder, diesmal aus den Augen der Kopie. Der zust\u00e4ndige Bischof lie\u00df das Ereignis erneut pr\u00fcfen und genehmigte schon nach kurzer Zeit die Verehrung der zweiten wundersamen Ikone von P\u00f3cs, die diesmal im Ort bleiben durfte. Das Dorf nahm bald den Namen der Gottesmutter an und hei\u00dft seitdem M\u00e1riap\u00f3cs. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde eine barocke Wallfahrtskirche gebaut, um die gro\u00dfe Menge der Pilger zu empfangen, und ein Kloster des Ordens der griechisch-katholischen Basilianer zur Seelsorge errichtet. Das wundersame Verhalten der Ikone reicht sogar bis in die moderne Zeit: Ab dem 3. Dezember 1905 begann das Bild ein weiteres Mal zu weinen \u2013 das Wunder dauerte bis Ende des Monats an und wurde erneut nach einer Pr\u00fcfung als authentisch best\u00e4tigt. 1991 besuchte der heilige Papst Johannes Paul II. M\u00e1riap\u00f3cs und feierte dort die Liturgie nach ostkirchlicher Tradition. Heute kommen j\u00e4hrlich mehrere Hunderttausend Gl\u00e4ubige in den nordostungarischen Gnadenort, der dadurch zu den bedeutendsten in der Region z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Original-Ikone im Stephansdom auch seit 1696 nicht mehr geweint hat, so ist ihre weitere Geschichte nicht weniger bedeutsam. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, als der 400 Jahre alte h\u00f6lzerne Dachstuhl des Stephansdoms Feuer fing und das Gew\u00f6lbe der Kirche einst\u00fcrzte, blieb sie unversehrt. 1948 wurde sie dann an einem eigenen Altar auf der rechten Seite des Langhauses angebracht, unter dem prunkvollen \u201e\u00d6chsel-Baldachin\u201c aus dem fr\u00fchen 16. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Internationale Ber\u00fchmtheit erhielt das Gnadenbild dann durch den Besuch eines Heiligen: Am 4. Dezember 1955 betete der heilige Josemar\u00eda Escriv\u00e1, der Gr\u00fcnder des Opus Dei, vor der \u201eMadonna von P\u00f6tsch\u201c. Das Muttergottesbild aus einer Ortschaft, das damals hinter dem Eisernen Vorhang lag, ber\u00fchrt ihn eigent\u00fcmlich. Es ist f\u00fcr ihn das Tor zur Ausbreitung des Glaubens in jene Gebiete, die unter kommunistischer Herrschaft stehen. \u201eSancta Maria, Stella Orientis, filios tuos adiuva!\u201c (Heilige Maria, Stern des Ostens, hilf deinen Kindern!), fleht er zu ihr. Dieses Sto\u00dfgebet verbreitet sich in den darauffolgenden Jahrzehnten in der ganzen Welt. 1989\/90 wird die Bitte des heiligen Josemar\u00eda erf\u00fcllt und der Kommunismus in Osteuropa f\u00e4llt. Am 9. Januar 1902, zum 100. Geburtstag Escriv\u00e1s, weiht der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn eine Gedenktafel neben dem Altar ein. Heute verbindet die Muttergottes von M\u00e1riap\u00f3cs Christen aus Ost und West, aus Mitteleuropa und der ganzen Welt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungarn Ende des 17. Jahrhunderts. 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