{"id":54975,"date":"2025-11-12T06:34:00","date_gmt":"2025-11-12T04:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=54975"},"modified":"2025-11-11T12:58:45","modified_gmt":"2025-11-11T10:58:45","slug":"maria-lacalles-zeugnis-der-werte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/foco\/maria-lacalle-testimonio-valores\/","title":{"rendered":"Mar\u00eda Lacalle: \u00abDas Zeugnis ist das direkteste Mittel zur Vermittlung von Werten.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Apostolischen Schreiben \u201cNeue Landkarten der Hoffnung entwerfen\u201d ruft Papst Leo XIV. Schulen und Universit\u00e4ten dazu auf, authentische \u201cLabore der Hoffnung\u201d zu werden, in denen die W\u00fcrde Vorrang vor Effizienz oder Bildungsmerkantilismus hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie pl\u00e4diert daher f\u00fcr eine Erziehung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, den Dialog zwischen Glaube und Vernunft f\u00f6rdert und die Zusammenarbeit der gesamten Bildungsgemeinschaft \u2013 Lehrkr\u00e4fte, Familien, Sch\u00fcler und Zivilgesellschaft \u2013 in einem gemeinsamen Vorhaben unterst\u00fctzt. Sie betont zudem die Verantwortung der Erzieher, deren pers\u00f6nliches Zeugnis ebenso wertvoll ist wie ihr Unterricht, und die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Ausbildung zuk\u00fcnftiger Fachkr\u00e4fte, die deren Verstand, Herz und Hand gleicherma\u00dfen f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang sprachen wir mit Mar\u00eda Lacalle Noriega, Vizerektorin f\u00fcr Fakult\u00e4t und Bildungsmodell und Direktorin des Open Reason Institute an der Francisco de Vitoria Universit\u00e4t, um zu erfahren, wie eine katholische Universit\u00e4t heute auf diesen Aufruf des Papstes reagieren und zu einem wahren Ort f\u00fcr menschlichen und sozialen Wandel werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Apostolische Brief <em>\u201cNeue Landkarten der Hoffnung entwerfen\u201d<\/em> Er schl\u00e4gt vor, katholische Schulen angesichts der Kommerzialisierung des Bildungswesens zu einem \u201cLabor der Hoffnung\u201d zu machen. Wie interpretieren Sie diesen Aufruf des Papstes im Kontext katholischer Universit\u00e4ten?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im aktuellen Kontext liegt eine der gr\u00f6\u00dften Gefahren f\u00fcr Universit\u00e4ten in der Tendenz, ihre Funktion rein technisch und ausschlie\u00dflich auf die Berufsausbildung ausgerichtet zu verstehen. Zwar strebt die gro\u00dfe Mehrheit der Studierenden genau danach, und viele Unternehmen fordern genau diese Art von Ausbildung. Diese Dynamik hat einige Universit\u00e4ten dazu veranlasst, diesen reduktionistischen Ansatz zu verfolgen, um den Marktanforderungen gerecht zu werden und damit \u2013 das muss man anerkennen \u2013 gute wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mission der Universit\u00e4t geht jedoch weit \u00fcber die reine Berufsausbildung hinaus. Sie umfasst den ganzen Menschen und strebt danach, \u201cdass Professionalit\u00e4t von Ethik durchdrungen ist und Ethik nicht ein abstraktes Wort, sondern gelebte Praxis wird\u201d, wie Papst Leo XIII. sagte. Wenn die Universit\u00e4t ihrer wahren Berufung gerecht wird und es ihr gelingt, ihre Studierenden zu formen und zu pr\u00e4gen, werden diese nicht nur bessere Menschen, sondern auch bessere Fachkr\u00e4fte. So leistet die Universit\u00e4t einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl und tr\u00e4gt aktiv zum Aufbau einer gerechteren und besseren Gesellschaft bei \u2013 und wird damit zu einem wahren \u201cLabor der Hoffnung\u201d.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Papst betont, dass \u201cErzieher zu einem Zeugnis berufen sind, das ebenso wertvoll ist wie ihre Lehre\u201d. Wie kann eine katholische Universit\u00e4t ihre Dozenten st\u00e4rker in die Aufgabe der Evangelisierung einbeziehen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gegenw\u00e4rtige Bildungskontext ist durch die weitverbreitete Neigung zum Relativismus unter den meisten Studierenden gekennzeichnet, was die Wirksamkeit theoretischer Argumente und Begr\u00fcndungen stark einschr\u00e4nkt. Rationale Argumentation allein \u00fcberzeugt selten und weckt kaum das Interesse der Studierenden. In diesem Kontext erweist sich das pers\u00f6nliche Zeugnis als ein wesentlich direkteres und wirkungsvolleres Mittel zur Vermittlung von Werten und \u00dcberzeugungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das authentische und konsequente Vorbild einer Lehrkraft hat eine Wirkung, die die Kraft theoretischer Argumente weit \u00fcbertrifft. Wenn eine Lehrkraft eine bestimmte Weltanschauung nicht nur rational darlegt und verteidigt, sondern auch nach diesen Prinzipien lebt und sie t\u00e4glich demonstriert, vervielfacht sich ihr Einfluss. So erzeugt sie eine zweifache \u00dcberzeugung: erstens durch logisches Denken und zweitens durch die Glaubw\u00fcrdigkeit und Konsequenz ihrer eigenen gelebten Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verbindung von Argumentation und pers\u00f6nlichem Zeugnis ist grundlegend f\u00fcr die ganzheitliche Entwicklung der Studierenden und die Evangelisierungsarbeit der katholischen Universit\u00e4t, da sie das intellektuelle Verst\u00e4ndnis der vermittelten Werte f\u00f6rdert und deren Anwendbarkeit und Relevanz im realen Leben aufzeigt. So wird der Professor zu einem echten Vorbild, das die Studierenden durch Wort und Tat inspiriert und begleitet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie werden die Geisteswissenschaften an der UFV gef\u00f6rdert?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Francisco de Vitoria Universit\u00e4t nehmen alle Bachelorstudierenden unabh\u00e4ngig von ihrem Studiengang an einem interdisziplin\u00e4ren geisteswissenschaftlichen Programm teil. Es ist wichtig zu betonen, dass die Geisteswissenschaften einen zentralen Platz im Bildungsmodell der Universit\u00e4t einnehmen; sie sind keine Erg\u00e4nzung, sondern bilden das Fundament, auf dem die umfassende Ausbildung der Studierenden aufbaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hauptziel dieses Programms ist eine umfassende Ausbildung, die berufliche Exzellenz mit einer soliden, ganzheitlichen Grundlage verbindet. Es soll Studierende dabei unterst\u00fctzen, sowohl ihre technischen F\u00e4higkeiten als auch ihre pers\u00f6nliche Entwicklung zu f\u00f6rdern, indem sie lernen, kritisch zu denken, die Realit\u00e4t kritisch zu analysieren und Verantwortung f\u00fcr ihr eigenes Leben zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die verschiedenen F\u00e4cher im geisteswissenschaftlichen Bereich sollen Studierende dazu anregen, Fragen nach dem Menschen, der Wahrheit, dem Guten und dem Sinn des Lebens zu stellen \u2013 kurzum, nach den tiefsten Fragen des Einzelnen und der Gesellschaft. Diese Reflexion wird durch erfahrungsorientiertes Lernen gef\u00f6rdert, das geisteswissenschaftliches Denken mit dem Studiengang und dem eigenen Leben verkn\u00fcpft. Die Dozierenden spielen dabei eine entscheidende Rolle: Ihre Hauptaufgabe ist es, diese Fragen in den Studierenden zu wecken und ihnen anschlie\u00dfend die Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie selbstst\u00e4ndig nach Antworten suchen und diese finden k\u00f6nnen. So werden die Fragen zu einem integralen Bestandteil ihrer pers\u00f6nlichen und beruflichen Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie bietet die UFV ihren Studierenden individuelle Unterst\u00fctzung? <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der UFV verfolgen wir ein Bildungsmodell, das all unsere Lehrt\u00e4tigkeiten leitet und unterst\u00fctzt. Wir freuen uns sehr, dass der Papst bestimmte Themen hervorhebt und betont, die auch f\u00fcr uns von zentraler Bedeutung sind, wie Gemeinschaft, die Suche nach Wahrheit, Beziehungen, der Dialog zwischen Vernunft und Glaube, Bildung als eine Aufgabe der N\u00e4chstenliebe und die Rolle des Professors als authentischer Lehrer. All diese Elemente sind im Bildungsmodell der UFV verankert, das auf einem Menschenbild als Beziehungswesen basiert und dessen Kern die Beziehung zwischen Professor und Student bildet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind uns der Bedeutung von Beziehungen f\u00fcr die Bildung bewusst und pflegen daher eine Mentorenkultur auf dem Campus. Diese zeigt sich einerseits in der individuellen Betreuung durch die Dozenten und andererseits in einem Mentorenprogramm, an dem alle Studierenden teilnehmen. Ein Team von \u00fcber 300 Mentoren begleitet unsere Studierenden auf ihrem gesamten akademischen Weg und unterst\u00fctzt sie dabei, humanistische Reflexionen mit ihren eigenen Lebenserfahrungen durch gezielte Fragen zu verkn\u00fcpfen. So f\u00f6rdern wir ihre Fragen, h\u00f6ren ihren Anliegen zu, begleiten sie auf ihrer Suche nach Wahrheit und wachsen gemeinsam mit ihnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kann die katholische Universit\u00e4t in einer von Technologie und k\u00fcnstlicher Intelligenz gepr\u00e4gten Zeit Fachkr\u00e4fte ausbilden, die angesichts der Digitalisierung ihre Menschlichkeit bewahren?&nbsp;&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bildung ist der Schl\u00fcssel, der es uns erm\u00f6glicht, all die Vorteile von Technologie und k\u00fcnstlicher Intelligenz zu nutzen, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren. Und ich wage zu behaupten, dass eine humanistische Bildung an Universit\u00e4ten unerl\u00e4sslich ist, um allem in der digitalen und globalen Welt, in der wir leben, Sinn und Authentizit\u00e4t zu verleihen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind \u00fcberzeugt, dass es unerl\u00e4sslich ist, dieses Thema umfassend zu behandeln und die Gefahr zu vermeiden, die Frage der Technologie im Bildungsbereich zu simplistisch zu betrachten, als ginge es lediglich um die Frage des Mittels: Womit bilden wir? Eine blo\u00dfe Wahl des Werkzeugs w\u00fcrde zu einem riskanten Reduktionismus f\u00fchren. Daher halten wir es f\u00fcr notwendig, \u00fcber den unmittelbaren Nutzen technologischer Werkzeuge hinauszugehen und das Thema aus einer breiten Perspektive zu betrachten, die \u2013 wie Papst Leo XIII. betont \u2013 \u201ctheologische und philosophische Reflexion\u201d oder, gem\u00e4\u00df Benedikt XVI.s Vorschlag, den wir an der UFV \u00fcbernommen haben, den Standpunkt der \u201coffenen Vernunft\u201d einschlie\u00dft. Dies bedeutet, zu bewerten, wie Technologie und ihre Anwendung Menschen, ihre Beziehungen, ihr Dasein in der Welt, ihr Realit\u00e4tsverst\u00e4ndnis sowie das Gemeinwohl und die Zukunft der Menschheit beeinflussen k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen wir zu umsichtigen und vern\u00fcnftigen Ans\u00e4tzen gelangen, die es uns erm\u00f6glichen, alle Vorteile der Technologie zu nutzen und gleichzeitig ihre Risiken zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Ziele verfolgt die UFV f\u00fcr die kommenden Jahre?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Hauptziel ist die Konsolidierung unseres Ausbildungsmodells mit dem Titel <em>Bildung als Mittel zur Transformation. <\/em>Wir sind \u00fcberzeugt, dass universit\u00e4re Bildung Leben und ganze Gesellschaften ver\u00e4ndern kann. Unser Ziel ist es, Menschen auszubilden, die nach Wahrheit und G\u00fcte streben \u2013 F\u00fchrungskr\u00e4fte, die den gro\u00dfen Herausforderungen der Welt mit humanistischer Vision, Innovationskraft und Verantwortungsbewusstsein begegnen. Wir m\u00f6chten ein Ort sein, an dem Wissenschaft und Glaube im Dialog stehen, an dem akademische Exzellenz auf gesellschaftliches Engagement trifft und an dem jeder Studierende und jeder Professor den Sinn seines Daseins und die Notwendigkeit erkennt, sich f\u00fcr die Transformation der Gesellschaft einzusetzen. Wir streben danach, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um, wie Papst Leo XIV. uns aufforderte, \u201cneue Wege der Hoffnung zu gestalten\u201d.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>En la Carta Apost\u00f3lica \u201cDise\u00f1ar nuevos mapas de esperanza\u201d, el Papa Le\u00f3n XIV invita a que las escuelas y universidades se conviertan en aut\u00e9nticos \u201claboratorios de esperanza\u201d en donde se priorice la dignidad frente la eficacia o el mercantilismo educativo. 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