{"id":51343,"date":"2025-08-04T06:18:00","date_gmt":"2025-08-04T04:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=51343"},"modified":"2025-08-01T22:47:49","modified_gmt":"2025-08-01T20:47:49","slug":"interview-renzo-pegoraro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/foco\/entrevista-renzo-pegoraro\/","title":{"rendered":"Pegoraro: \"Die Kirche sagt nein zu therapeutischer Grausamkeit und ja zur Palliativmedizin\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Von Carol Glatz, OSV<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Monsignore Pegoraro, 66, ist Bioethiker, der vor seinem Eintritt in das Priesterseminar ein Medizinstudium absolvierte und seit 2011 als Kanzler der Akademie fungierte, bevor er Ende Mai die Nachfolge von Erzbischof Vincenzo Paglia als Pr\u00e4sident antrat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er schloss 1985 sein Medizinstudium an der Universit\u00e4t Padua (Italien) ab, bevor er einen Abschluss in Moraltheologie an der P\u00e4pstlichen Universit\u00e4t Gregoriana in Rom erwarb. Im Jahr 1989 wurde er zum Priester geweiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er erwarb einen h\u00f6heren Abschluss in Bioethik an der Katholischen Universit\u00e4t vom Heiligen Herzen in Italien und lehrte Bioethik an der Theologischen Fakult\u00e4t in Norditalien. Er war auch Generalsekret\u00e4r der Lanza-Stiftung in Padua, einem Studienzentrum f\u00fcr Ethik, Bioethik und Umweltethik. Er unterrichtete Pflegeethik am vom Vatikan betriebenen Kinderkrankenhaus Bambino Ges\u00f9 in Rom und war von 2010 bis 2013 Pr\u00e4sident der European Association of Medical Ethics Centres.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hat Ihnen Papst Leo XIV. einen Hinweis oder eine Perspektive f\u00fcr die Priorit\u00e4ten gegeben, die die Akademie spielen kann?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Es wird empfohlen, die Debatte und den Dialog mit Experten aus verschiedenen Disziplinen \u00fcber die Herausforderungen fortzusetzen, vor denen die Menschheit in Bezug auf das Leben und die Lebensqualit\u00e4t in unterschiedlichen Kontexten steht. Nicht zu vergessen sind dabei Fragen im Zusammenhang mit dem Beginn und dem Ende des Lebens sowie der \u00f6kologischen Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit in den Gesundheitssystemen, dem Recht auf Pflege, Gesundheit und grundlegenden Dienstleistungen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir leben in einer schwierigen Landschaft, die von fortschreitenden Technologien, aber auch von Konflikten gepr\u00e4gt ist, und das menschliche Leben auf unserem Planeten ist wirklich herausgefordert. Die Kirche verf\u00fcgt \u00fcber einen Reichtum an Weisheit und eine Vision, um allen zu dienen und die Welt zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie wird die Wissenschaft weiterhin Themen wie Abtreibung, IVF, Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung und Lebensende erforschen und behandeln?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Die \u00dcberlegungen unserer Akademiker gehen weiter. Wir verfolgen aufmerksam die laufenden Debatten in verschiedenen L\u00e4ndern, so auch in Italien, wo ein Gesetz im parlamentarischen Verfahren ist. Die P\u00e4pstliche Akademie f\u00fcr das Leben unterst\u00fctzt und f\u00f6rdert die Palliativmedizin, immer und vor allem in den letzten und schwachen Phasen des Lebens, und fordert stets Aufmerksamkeit und Respekt f\u00fcr den Schutz und die W\u00fcrde der schwachen Menschen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kann die Kirche ihre bioethischen und lebenskundlichen Lehren am besten vermitteln, wenn es viele Debatten oder Polarisierungen gibt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Dies ist ein sehr wichtiges Thema. Wir bem\u00fchen uns, tiefgreifende und differenzierte \u00dcberlegungen anzustellen. So wird sich zum Beispiel unsere Generalversammlung der Gelehrten, zu der auch eine internationale Konferenz geh\u00f6rt, im Februar 2026 mit der Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme befassen, mit Beispielen aus f\u00fcnf Kontinenten und detaillierten Studien. Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit all jenen zu maximieren, die wirklich am Gemeinwohl interessiert sind, mit Gl\u00e4ubigen und Nicht-Gl\u00e4ubigen, im Geiste des gegenseitigen Lernens.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Werden sie weiterhin einen transdisziplin\u00e4ren Ansatz f\u00fcr den Dialog mit Experten au\u00dferhalb der katholischen Kirche f\u00f6rdern, \u00e4hnlich der Arbeitsweise der P\u00e4pstlichen Akademien der Wissenschaften und der Sozialwissenschaften?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Die P\u00e4pstliche Akademie f\u00fcr das Leben ist seit ihren Anf\u00e4ngen ein Ort des Studiums, des Dialogs, der Debatte und der Reflexion zwischen Experten aus verschiedenen Disziplinen. Und sie hat ihre Arbeit im Dienste der Kirche fortgesetzt, indem sie die wissenschaftlichen und technologischen Fortschritte im Zusammenhang mit dem menschlichen Leben analysiert und sich stets darum bem\u00fcht, die W\u00fcrde der menschlichen Person zu verteidigen. In diesem Sinne ist die Kirche in ihrer Kontinuit\u00e4t immer auf dem neuesten Stand, wie es das Zweite Vatikanische Konzil so treffend ausgedr\u00fcckt hat.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sind Sie der erste PAL-Pr\u00e4sident, der Arzt ist? Wie bringen Sie das, was Sie in der Praxis gesehen und gelernt haben - Ihre klinische Erfahrung - mit Ihren ethischen \u00dcberlegungen in Einklang? Zum Beispiel, indem Sie die Patientenautonomie und die Lehre der Kirche \u00fcber Sterbehilfe oder die Ablehnung aggressiver Behandlungen respektieren.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Ich erinnere mich, dass der erste Pr\u00e4sident, der verstorbene Dr. Jerome Lejeune, ein Arzt war, ein erstklassiger Wissenschaftler, der f\u00fcr seine Studien einen Nobelpreis erhielt. Und sp\u00e4ter Monsignore Ignacio Carrasco de Paula, der von 2010 bis 2016 Pr\u00e4sident war, ist Psychiater und Priester, ein f\u00fchrender Experte f\u00fcr Bioethik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erfahrungen im medizinischen Bereich sind eine gro\u00dfe Hilfe, um die Erkenntnisse und die Herausforderungen, die sich auf ethischer Ebene ergeben, genauer zu verstehen. Aber es geht um mehr als das, wie Sie in Ihrer Frage anmerken. Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen bedarf es heute auch einer ethischen Perspektive und eines Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr die Fragen, die von den Patienten, von den Kranken aufgeworfen werden. Die Kirche kann darauf eine Antwort geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Beispiel sagt die Kirche in der Frage des Lebensendes \"Nein\" zu aggressiver medizinischer Behandlung - therapeutischer Eigensinn - und \"Ja\" zum Einsatz von Palliativmedizin zur Bew\u00e4ltigung und Linderung von Schmerzen und Leiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studien und Entdeckungen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, sind in Bereichen wie Stammzellen und Biotechnologie, Neugeborenen-Screening, Organtransplantation und Innovationen in der digitalen Medizin und Gesundheitstechnologie gleicherma\u00dfen wichtig. Dies alles sind Bem\u00fchungen, wissenschaftliche Fortschritte besser zu verstehen und sie in den Dienst der Menschen zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnten Sie erl\u00e4utern, ob es \u00c4nderungen oder neue Empfehlungen zur Vermeidung aggressiver Behandlungen und der Verpflichtung, Menschen im vegetativen Zustand Nahrung und Fl\u00fcssigkeit zuzuf\u00fchren, gegeben hat? Wo zieht die Kirche die Grenze zwischen legitimer medizinischer Versorgung und \u00dcbervorteilung?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Das Thema ist sehr komplex. Wir m\u00fcssen verstehen, wie man Behandlungen so auslegt, dass sie kranke Menschen unterst\u00fctzen und versorgen. Jede Situation muss individuell bewertet werden, damit sie den Kranken unterst\u00fctzt und nicht noch mehr Leid verursacht. Deshalb gibt es keine vorgefertigten L\u00f6sungen, sondern es muss ein st\u00e4ndiger Dialog zwischen Arzt, Patient und Angeh\u00f6rigen gef\u00f6rdert werden. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kann man sicherstellen, dass die vorgeschlagenen ethischen Rahmen nicht nur \"westlich\" sind, sondern auch alle Realit\u00e4ten der Welt einbeziehen? Viel Aufmerksamkeit wird Fragen der ersten Welt wie IVF oder Sterbehilfe gewidmet, doch viele Menschen auf der Welt sterben aus Mangel an Nahrung, sauberem Wasser und medizinischer Grundversorgung.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Dies wird das Thema unseres internationalen Kongresses im Februar sein, der im Rahmen der Generalversammlung der Akademie stattfindet. Wir m\u00f6chten mit einem eindringlichen Appell an das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr schlie\u00dfen, dass Gesundheit und Gesundheitssysteme in allen Kontexten, in allen sozialen und politischen Umfeldern lebensorientierte Antworten geben m\u00fcssen. In vielen L\u00e4ndern stellen mangelnde Grundversorgung, Wassermangel und Nahrungsmittelknappheit zahlreiche Probleme dar. Hinzu kommen die Konflikte, die noch mehr Leid verursachen. Deshalb sagen wir \"Nein\" zum Krieg, denn wir brauchen heute Ressourcen, damit die Menschen leben k\u00f6nnen, und nicht, um Waffen herzustellen und Konflikte zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ihr Vorg\u00e4nger (Erzbischof Vincenzo Paglia) hat dazu beigetragen, den \"R\u00f6mischen Aufruf zur Ethik der KI\" voranzutreiben. Wie wird die Akademie darauf aufbauen, insbesondere im Hinblick auf KI in der Medizin?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Gemeinsam mit der Organisation \"Catholic Doctors Around the World\" (FIAMC) haben wir vom 10. bis 12. November in Rom eine internationale Konferenz zum Thema \"The International Conference of Catholic Doctors\" organisiert.<a href=\"http:\/\/www.aimedicine.va\">KI und Medizin: Die Herausforderung der Menschenw\u00fcrde\".<\/a>um die durch KI ausgel\u00f6sten Ver\u00e4nderungen zu bew\u00e4ltigen. Auf diese Weise kann der 2020 unterzeichnete \"R\u00f6mische Aufruf zur KI-Ethik\" gest\u00e4rkt werden, ein Dokument, das die Grundlagen f\u00fcr eine ethische Nutzung der KI legt und sich auf alle Bereiche auswirkt: Medizin, Wissenschaft, Gesellschaft und Recht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie lassen sich die Vorteile der Robotik mit den ethischen Bedenken hinsichtlich der menschlichen Beziehungen und der Menschenw\u00fcrde vereinbaren?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Der Fortschritt ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Wir d\u00fcrfen nie vergessen, dass die Bed\u00fcrfnisse des kranken und hilfsbed\u00fcrftigen Menschen im Vordergrund stehen. Dem muss die Technik dienen: Sie darf weder zum Selbstzweck werden, noch d\u00fcrfen wir in eine \"Technokratie\" verfallen. Wir wollen den Menschen und die ihm innewohnende W\u00fcrde in den Mittelpunkt stellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie k\u00f6nnen junge Menschen lernen, ethische Entscheidungen im Umgang mit Technologien zu treffen, die einen solchen Einfluss auf ihre psychische Gesundheit und ihre Beziehungen haben?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Der Wandel hat bereits stattgefunden, zum einen, weil diese Hilfsmittel, wie z. B. Smartphones, bereits kleinen Kindern zur Verf\u00fcgung stehen, zum anderen, weil sie sich auf die kognitiven Funktionen auswirken. Es ist eine Debatte \u00fcber die Nutzung der Technologie erforderlich, die alle Bereiche der Gesellschaft einbezieht. So m\u00fcssen beispielsweise Familien bei der Betreuung ihrer Kinder und deren Umgang mit der Technologie unterst\u00fctzt werden. Und den Schulen kommt eine Schl\u00fcsselrolle in der Erziehung zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wirklichkeit kann alles in Angriff genommen werden, wenn die gesamte Gesellschaft - politische Entscheidungstr\u00e4ger, Regierungen, die Kirche, verschiedene Organisationen - dem Einsatz der Technologie Priorit\u00e4t einr\u00e4umt. Erinnern wir uns auch an den j\u00fcngsten Beitrag des Dokuments \"Antiqua et nova\" der Dikasterien f\u00fcr Glaubenslehre, Kultur und Bildung f\u00fcr eine anthropologische Reflexion, die Kriterien f\u00fcr die Unterscheidung in diesen Fragen bietet. Es bedarf einer kontinuierlichen, konstanten und hochrangigen \u00f6ffentlichen Debatte. Auch den Medien kommt bei der Verbreitung von Informationen und Fragen zu diesem Thema eine Schl\u00fcsselrolle zu.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welches ist das dringendste bioethische Problem, das Sie gerne angehen w\u00fcrden, und das gr\u00f6\u00dfte Problem der KI?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Die Frage der Datenverwaltung, ihrer Nutzung und Speicherung, die Ziele des so genannten \"Big Business\" sind entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sprechen wir von einer globalen Bioethik: Die Frage des menschlichen Lebens muss unter Ber\u00fccksichtigung aller Dimensionen seiner Entwicklung, der verschiedenen sozialen und politischen Kontexte, seiner Verbindung mit der Achtung der Umwelt und der Analyse, wie Technologien uns helfen, vollst\u00e4ndiger und besser zu leben, oder wie sie uns schaden, indem sie uns katastrophale Instrumente der Kontrolle und Manipulation liefern, angegangen werden. Deshalb ist die Frage der Daten von zentraler Bedeutung. Der Reichtum der gro\u00dfen Industrien liegt heute in den Daten, die wir selbst im Internet ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir brauchen eine \u00f6ffentliche Debatte auf globaler Ebene, eine gro\u00dfe Koalition f\u00fcr die Achtung der Daten. Die Europ\u00e4ische Union hat das Thema aufgegriffen, und es wird auch in den Vereinten Nationen diskutiert. Aber das ist nicht genug. Wir brauchen eine globale Debatte. Der Rahmen ist klar, und Papst Franziskus hat ihn uns mit \"Fratelli Tutti\" gegeben und damit das Zweite Vatikanische Konzil erweitert: Wir sind eine einzige Menschheitsfamilie, und die Fragen der Entwicklung und des Lebens betreffen uns alle.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Por Carol Glatz, OSV Monse\u00f1or Pegoraro, de 66 a\u00f1os, es un bioeticista que obtuvo un t\u00edtulo m\u00e9dico antes de ingresar al seminario y se desempe\u00f1\u00f3 como canciller de la academia desde 2011 antes de suceder al arzobispo Vincenzo Paglia como presidente a fines de mayo. 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