{"id":46386,"date":"2025-03-19T06:00:00","date_gmt":"2025-03-19T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=46386"},"modified":"2025-03-19T13:04:48","modified_gmt":"2025-03-19T11:04:48","slug":"raimo-goyarrola-finnische-sondermissionskirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/actualidad\/raimo-goyarrola-finlandia-mision-especial-iglesia\/","title":{"rendered":"Raimo Goyarrola: \"Finnland hat eine besondere Aufgabe in der Kirche\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Raimo Goyarrola ist Bischof von Helsinki, Finnland. Geboren in Bilbao, studierte er Medizin, bevor er 2002 zum Priester geweiht wurde. Vier Jahre sp\u00e4ter zog er nach Finnland, um junge Universit\u00e4tsstudenten zu betreuen, Religion zu unterrichten und sogar Milit\u00e4rseelsorger zu werden. Doch alles \u00e4nderte sich, als Papst Franziskus ihn 2023 bat, die Leitung der Kirche in Helsinki als Bischof der Di\u00f6zese der Hauptstadt des Landes zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ver\u00f6ffentlicht nun in der <a href=\"https:\/\/www.palabra.es\/romper-el-hielo-3742.html\">Palabra Verlag<\/a> sein Buch \"Breaking the Ice\", in dem er Anekdoten aus der Ortskirche erz\u00e4hlt und die pers\u00f6nliche Initiative als Schl\u00fcssel zur Verbreitung der Botschaft des Evangeliums in der Welt hervorhebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Interview mit Omnes spricht Monsignore Goyarrola nicht nur \u00fcber sein Buch, sondern zeichnet auch ein hoffnungsvolles Bild der Kirche in Finnland, wo die Energie der Jugendlichen auf die Energie der jungen Menschen trifft. <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/foco\/una-referencia-mundial-ecumenismo-finlandia\/\">\u00d6kumene <\/a>und die Herausforderungen der \u00e4rmsten Kirche in Europa.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Erfahrungen haben Sie mit der Leitung der Kirche in Helsinki gemacht?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Der Vorteil, den wir in Finnland haben, ist, dass die Kirche wirklich katholisch ist. Wir haben mehr als 120 Nationalit\u00e4ten, Menschen aus allen Kontinenten. Es ist eine sehr lohnende Erfahrung, menschlich gesehen, wegen der Zuneigung, die man sp\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich reise durch das ganze Land, auch wenn ich Bischof von Helsinki bin. Es ist ein sehr gro\u00dfes Gebiet mit f\u00fcnfeinhalb Millionen Einwohnern. Was ich sehe, ist Einigkeit, Zuneigung, und manchmal bin ich ger\u00fchrt, obwohl ich Baske bin. Am Ende der Messe kommen die Menschen zu mir, um mich zu begr\u00fc\u00dfen, mich um Fotos zu bitten und mir mitzuteilen, was sie auf dem Herzen haben. In diesem Moment wird mir bewusst, dass ich ein Pfarrer bin, der Vater dieser Familie oder der \u00e4ltere Bruder, und ich danke Gott f\u00fcr dieses Geschenk, das ich nicht verdiene, das aber mein Herz erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie sehen Sie die Entwicklung des Katholizismus in Finnland in den letzten Jahren?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Die einheimische finnische Bev\u00f6lkerung ist \u00fcberwiegend lutherisch. Leider treten viele von ihnen aus ihrer Kirche aus und fallen in eine Art halb spirituellen, halb geistlichen Schwebezustand. Aber es ist auch wahr, dass viele von ihnen danach zur katholischen Kirche kommen. Ich glaube, sie sehen die Sch\u00f6nheit der Wahrheit und des Guten, weil die drei Konzepte vereint sind und die katholische Kirche den ganzen Kuchen anbietet. Wir haben den ganzen Kuchen von zweitausend Jahren Geschichte, Tradition, Kirchenv\u00e4tern, Sakramenten, Moral und Anthropologie. Was die Menschen suchen, ist die ganze Wahrheit, dieser ganze Kuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Sinne ist die katholische Kirche anspruchsvoll. Viele junge Finnen kommen zum katholischen Glauben, vielleicht gerade wegen dieser Authentizit\u00e4t der Forderung nach Wahrheit. Die Wahrheit ist manchmal nicht bequem, aber sie ist sch\u00f6n, und ihre Sch\u00f6nheit und G\u00fcte sind sehr attraktiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der andere Teil unserer Ortskirche ist eine Kirche aus mehr als 120 L\u00e4ndern, die ihre eigene Kultur, ihre eigene Sprache und ihre eigene Vision mitbringen. Dies ist ein Reichtum, der f\u00fcr die Einheimischen sehr attraktiv ist. Viele Finnen werden von den gro\u00dfen Familien angezogen, die aus anderen Orten kommen, oder von der Freude der Afrikaner. Das ist die Anziehungskraft des Katholizismus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie ist das Verh\u00e4ltnis zwischen der katholischen Kirche und anderen christlichen Konfessionen in Finnland, insbesondere im \u00f6kumenischen Kontext?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Das Verh\u00e4ltnis ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: In 33 St\u00e4dten feiern wir sonntags die Messe, und nur in 7 davon gibt es katholische Kirchen. Das bedeutet, dass wir in 25 St\u00e4dten die Messe in nicht-katholischen Kirchen feiern, n\u00e4mlich in 20 lutherischen Kirchen und 5 orthodoxen Kirchen, die uns f\u00fcr die Messe zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beziehung ist wunderbar. Wir haben eine gemeinsame Ausbildungswoche f\u00fcr katholische Priester und orthodoxe Priester. Letztes Jahr hatten wir zum ersten Mal eine gemeinsame Prozession mit den Orthodoxen am Tag der Geburt der Gottesmutter, dem 8. September. Wir zogen gemeinsam in einer Prozession von der orthodoxen Kathedrale zur katholischen Kathedrale, mit den Bisch\u00f6fen an der Spitze. Dort standen die Muttergottes von Fatima und eine byzantinische Ikone. Die Gl\u00e4ubigen waren begeistert. Kurze Zeit sp\u00e4ter fragte mich der lutherische Bischof, warum ich ihm nicht von dieser Prozession erz\u00e4hlt h\u00e4tte. Ich antwortete, dass ich nicht dachte, dass sie zu dieser Prozession mit der Jungfrau Maria kommen wollten, aber er antwortete, dass sie dieses Jahr dabei sein wollten, weil die Muttergottes immer noch die Mutter Jesu ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Strategien verfolgt die Ortskirche angesichts der zunehmenden S\u00e4kularisierung, um mit den neuen Generationen in Kontakt zu treten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Vor einem Jahr haben wir \"Juventus Catholica\" gegr\u00fcndet, eine Vereinigung junger Katholiken, in der sie frei sind, ihre eigenen Initiativen zu organisieren und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Hier sieht man ihre pers\u00f6nliche Initiative und sie werden sich bewusst, dass sie die Kirche sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Finnland gibt es viele junge Menschen, die geistesabwesend sind und leiden. Geistige Einsamkeit ist die H\u00f6lle auf Erden, und dank dieser Vereinigung und der jungen Menschen, die die Freude des Evangeliums verbreiten, kommen viele junge Menschen in die Gemeinden. Am Aschermittwoch zum Beispiel haben wir dieses Jahr 6 Messen in Helsinki gefeiert, letztes Jahr waren es 4 und im Jahr davor 2.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier sehen wir, dass junge Menschen die Authentizit\u00e4t und den Anspruch des katholischen Glaubens brauchen. Es ist gut, Forderungen an junge Menschen zu stellen, denn wir bieten ihnen etwas viel Gr\u00f6\u00dferes: Gott selbst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ist Ihrer Meinung nach die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die Kirche in Finnland?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- In diesem Sinne spreche ich lieber von Chancen und Abenteuern. Wir haben zwei klare und offensichtliche Herausforderungen. Die eine ist die Entfernung. Die n\u00e4chstgelegene Kirche ist f\u00fcr eine katholische Familie manchmal 300 Kilometer entfernt. Als Pfarrer, der seine Kinder und Geschwister ern\u00e4hren will, m\u00f6chte ich ihnen die g\u00f6ttliche Speise, die Eucharistie, bringen. Daf\u00fcr muss ich jedes Wochenende Tausende von Kilometern fahren. Es gibt viele Familien, die um Tabernakel in ihrem Dorf bitten, aber es gibt keine Kirchen. Und hier liegt die zweite Herausforderung: die Wirtschaft. Wir sind die \u00e4rmste Kirche in Europa. Wir schaffen es nicht, unsere normalen Ausgaben zu decken, und der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat die Situation noch verschlimmert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem ist es ein Abenteuer, eine Di\u00f6zese aufzubauen. Ich habe 8 Pfarreien in meinen H\u00e4nden und das war's. Wir brauchen eine Di\u00f6zesanstruktur, eine katholische Schule, die wir, so Gott will, im August er\u00f6ffnen werden; ein Di\u00f6zesanhaus, in dem Kurse, Exerzitien und Unterricht stattfinden werden, mit dessen Bau wir im Mai beginnen werden; und ein Altersheim, um unsere \u00e4lteren Menschen zu betreuen. Dies ist eine finanzielle Herausforderung, und das ist einer der Gr\u00fcnde, warum ich hier in Madrid bin. Ich bin gekommen, um nach Geld zu suchen, so wie der heilige Paulus in den Kirchen des Mittelmeerraums umging und um Kollekten f\u00fcr Jerusalem bat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin \u00fcberzeugt, dass Finnland weltweit eine wichtige Aufgabe hat, ein besonderes Werk in der katholischen Kirche. Ich bin kein Prophet oder Prophetensohn, aber ich sp\u00fcre, dass etwas Gro\u00dfes passieren wird, und wir m\u00fcssen uns darauf vorbereiten, also brauchen wir eine Struktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Realit\u00e4t ist heute, dass die Kirchen in Helsinki die Menschen nicht mehr aufnehmen k\u00f6nnen. Die Menschen m\u00fcssen nach Hause gehen, um eine der 8 Messen zu besuchen, die wir \u00fcber das Internet feiern. Was wir in Finnland haben, ist ein heiliges Problem, heilig, weil es ein Segen Gottes ist, aber ein Problem, weil wir eine andere Kirche brauchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Botschaft kann die Kirche in Finnland dem Rest der Welt geben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Ich werde nicht derjenige sein, der sagt, welches Beispiel wir f\u00fcr andere geben. Das k\u00f6nnen nur die sagen, die uns sehen. Aber ich glaube, dass sich die Kirche in Finnland durch pers\u00f6nliche Verantwortung auszeichnet. Die finnischen Gl\u00e4ubigen wissen, dass sie Katholiken sind, sie sind sich bewusst, dass die katholische Kirche nicht eine Summe von Pfarreien ist, sondern dass die Kirche du und ich als Glieder des Leibes Christi sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Finnen sind die einzigen Katholiken in ihrem Umfeld, und anstatt sich vor anderen zu verstecken, haben sie keine Angst, sich als Katholiken zu zeigen und mit den Menschen \u00fcber Christus zu sprechen. Sie sprechen ganz nat\u00fcrlich \u00fcber die Eucharistie und Jesus. Sie sind Missionare und Apostel, wo immer sie hingehen, und das ist ein Beispiel f\u00fcr den Rest der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Aspekt ist die \u00d6kumene. Wir Christen sind in Finnland sehr geeint. Damit die Welt glauben kann, ist \u00d6kumene notwendig, und das ist eine Verpflichtung f\u00fcr die Katholiken. Es macht keinen Sinn, wenn wir andere Katholiken kritisieren und neidisch auf sie sind. Wir m\u00fcssen die Einheit unter uns suchen, das ist die erste \u00d6kumene, die Gott von uns verlangt. Wenn die Kirche geeint ist, wird sie Licht und Sauerstoff f\u00fcr die \u00fcbrigen Christen und f\u00fcr die ganze Welt sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In Ihrem neuen Buch Breaking the Ice\" (Das Eis brechen) berichten Sie \u00fcber verschiedene Initiativen und Projekte zur Evangelisierung in Finnland. K\u00f6nnen Sie uns von einer Initiative berichten, die Sie besonders ber\u00fchrt hat oder deren Wirkung Sie nicht erwartet hatten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Jedes Jahr organisiere ich eine Reise nach Lappland mit einem 30 Kilo schweren Rucksack, in dem jeder alles mitnimmt, was er braucht: Kleidung, Essen, warme Kleidung und alles, was f\u00fcr die Messe notwendig ist. Wir verbringen 5 Tage mit Wandern und Kontemplation. Das f\u00fchrt zu Bekehrungen, Berufungen und Beichten. Es tr\u00e4gt unglaubliche Fr\u00fcchte, nicht nur, weil das Leiden, 100 Kilometer bei Regen und Schnee zu gehen, viel Einheit bringt, sondern auch, weil man mit jemandem geht und die Natur in der Stille betrachtet: die Fjorde, die H\u00fcgel... Gott spricht hier. In dieser kontemplativen Stille entdecken die jungen Menschen den Herrn wieder und beginnen, als Tempel zu leben, als Tabernakel des Heiligen Geistes, der sie sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum erscheint Ihnen die Ver\u00f6ffentlichung dieses Buches wichtig, und welche Schlussfolgerungen m\u00f6chten Sie den Lesern mit auf den Weg geben?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Als der Verlag mich bat, das Buch zu schreiben, hatte ich in Wirklichkeit keine Zeit, aber ich konnte nicht nein sagen. Im Sommer, als ich etwas Freizeit hatte, beschloss ich, jeden Tag etwas Zeit mit Fu\u00dfballspielen zu verbringen, weil ich es liebe. Im Sommer, als ich etwas Freizeit hatte, beschloss ich, jeden Tag etwas Zeit mit Fu\u00dfballspielen zu verbringen, weil ich es liebe. Am zweiten Tag dieses Vorsatzes war ich drei Monate lang verletzt. Dadurch fand ich Zeit f\u00fcr das Buch, das, wie ich glaube, sehr viel Gutes bewirken wird. Nicht, weil ich es geschrieben habe. Das Buch selbst hat mir sehr gut getan, auch wenn es mir peinlich ist, \u00fcber mich selbst zu schreiben. Aber mir ist klar, dass ich nicht dar\u00fcber spreche, was ich getan habe, sondern dar\u00fcber, was Gott durch mich getan hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Christen sind dazu berufen, dieses Buch \u00fcber unser eigenes Leben zu schreiben und \u00fcber die gro\u00dfartigen Dinge zu berichten, die der Herr in uns und durch uns getan hat. Wenn du Gott in deinem Leben treu bist, ohne das Bed\u00fcrfnis, komische Dinge zu tun, wird dies Wirklichkeit. Mit dem Buch m\u00f6chte ich dazu beitragen, das Eis so vieler Herzen zu brechen, die kalt sind, weil sie weit weg von der W\u00e4rme Gottes sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raimo Goyarrola es obispo de Helsinki, Finlandia. Nacido en Bilbao, estudi\u00f3 Medicina antes de ordenarse como sacerdote en 2002. Cuatro a\u00f1os despu\u00e9s se traslad\u00f3 a Finlandia para atender a j\u00f3venes universitarios, dar clases de religi\u00f3n e incluso ser capell\u00e1n militar. 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