{"id":45854,"date":"2025-03-08T06:00:00","date_gmt":"2025-03-08T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=45854"},"modified":"2025-03-03T17:19:34","modified_gmt":"2025-03-03T15:19:34","slug":"schmuckkastchen-fur-die-jungfrau-maria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/actualidad\/pequeno-joyero-para-la-virgen-maria\/","title":{"rendered":"Ein kleines Schmuckk\u00e4stchen f\u00fcr die Jungfrau Maria"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Eurovisions\u00fcbertragungen vor einigen Jahrzehnten verfolgt hat, kennt die pr\u00e4chtige Fanfare, die ihnen vorausgeht und an Zeiten gr\u00f6\u00dferen Glanzes und gr\u00f6\u00dferer Pracht erinnert. Es ist das Pr\u00e4ludium, das Marc Antoine Charpentier f\u00fcr sein monumentales \"Te Deum\" aus den 1690er Jahren komponierte. Es ist wahrscheinlich die Partitur dieses Komponisten, die dem breiten Publikum am besten bekannt ist, auch denen, die sich nicht f\u00fcr klassische Musik interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser interessante franz\u00f6sische Komponist, der von 1643 bis 1704 lebte, hat jedoch einen viel umfangreicheren Katalog voller reizvoller \u00dcberraschungen vorzuweisen. Eine davon ist die kleine, der Jungfrau Maria gewidmete Komposition, die wir in dieser Rezension vorstellen, und deren Kontext man kennen sollte, um sie besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von Rom nach Paris<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfer Teil von Charpentiers musikalischer Ausbildung fand an der <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/recursos\/la-esencia-del-cristianismo-de-romano-guardini\/\">Roma<\/a>. Dort entdeckte er den Wert der von Monteverdi zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelten neuen Musik f\u00fcr die Evangelisierung und den \u00e4sthetischen Ausdruck religi\u00f6ser Erfahrung. Charpentier war mit dem r\u00f6mischen Milieu des Oratoriums des Heiligen Philipp Neri vertraut, der bekanntlich der Musik als Element der Katechese, der Evangelisierung und der F\u00f6rderung einer attraktiven Liturgie gro\u00dfe Bedeutung beima\u00df. Jahrhundert, wie Tom\u00e1s Luis de Victoria und Giacomo Carissimi, kannten und teilten diese Vision von religi\u00f6ser Musik, die mehr Wert auf Emotionen, Melodien und theologische Symbolik als auf Struktur, Kontrapunkt und chorische oder vokale Virtuosit\u00e4t legte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Charpentier nach Frankreich zur\u00fcckkehrte, um sich dem musikalischen Stab in Versailles anzuschlie\u00dfen, verf\u00fcgte er also bereits \u00fcber einen interessanten Katalog religi\u00f6ser Musik und hatte einen eleganten, melodischen und gef\u00fchlsbetonten Stil von gro\u00dfer \u00e4sthetischer und symbolischer \u00dcberzeugungskraft entwickelt, um den Glauben musikalisch auszudr\u00fccken. Diese Z\u00fcge werden in kleinen Details der Litaneien, die wir gleich h\u00f6ren werden, immer wieder auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Juwel im Kleinformat<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den R\u00e4umen, die der religi\u00f6sen Musik gewidmet waren, stach das Jesuitenkolleg in Paris wie auch in Rom hervor. Die J\u00fcnger des heiligen Ignatius hatten im Oratorium die ausdrucksstarke und evangelisierende Kraft der neuen Musik kennengelernt, die sie in ganz Europa und in den amerikanischen und asiatischen Kolonien verbreiten und f\u00f6rdern sollten. Charpentier k\u00f6nnte also diese Vertonung des Oratoriums komponiert haben. <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/special\/rosary\/documents\/litanie-lauretane_sp.html\">Lauretanische Litaneien<\/a> f\u00fcr die Marianische Kongregation der Jesuitenschule in Paris. Diese Vereinigung zu Ehren der Jungfrau ist typisch f\u00fcr alle von der Gesellschaft Jesu gegr\u00fcndeten Kollegien, und dieses scholastische oder akademische Umfeld erkl\u00e4rt, warum die \"Litaneien der Jungfrau\" eine Komposition im kleinen Rahmen sind. Was das musikalische Personal betrifft, so besteht es aus vier oder f\u00fcnf Instrumenten und neun Gesangssolisten. Was die Dauer anbelangt, so kann sie in f\u00fcnfzehn Minuten aufgef\u00fchrt werden. Sie ist sicherlich weit entfernt von den feierlichen Kompositionen, die den liturgischen Funktionen von Versailles gewidmet sind, wie ein Vergleich dieser \"Litaneien\" mit den \"Litaneien der Jungfrau\" zeigt.<em> mit<\/em>zum Beispiel Lullys pr\u00e4chtige \"Grands Motets\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Text der Komposition ist, wie man sieht, die Litanei der Jungfrau Maria aus dem Heiligtum des Heiligen Hauses von Loreto, die seit der Zeit Clemens' VIII. (Dekret \"Quoniam multi\", 1601) als die traditionell offizielle Version dieses Gebets an die Jungfrau Maria gelten kann, das seither unz\u00e4hlige Male vertont wurde. Dieser Text beginnt mit einem kurzen Bu\u00dfakt und einer Anrufung der Heiligen Dreifaltigkeit, der Charpentier ein sehr kurzes instrumentales Pr\u00e4ludium voranstellt. Hier zeigt sich, welche Ausdruckskraft er mit nur zwei Bratschen und dem Continuo (normalerweise mit einer Viola da Gamba, einer Theorbe und einem Orgelpositiv besetzt) zu erzielen vermag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses heitere und and\u00e4chtige Pr\u00e4ludium leitet zu den Bu\u00dfgebeten der Solistinnen \u00fcber, die in der Symbolik von Charpentiers Musik an die Kirchenbraut zu erinnern scheinen, die den Herrn um Gnade anfleht. Anschlie\u00dfend rufen dieselben Solistinnen die Heilige Dreifaltigkeit auf sehr kunstvolle Weise an. Die tiefste Stimme, die Altstimme, beginnt mit der Anrufung des Vaters (\"Pater de c\u00e6lis, Deus\"). Am Ende singen die beiden Soprane die Anrufung des Sohnes (zwei Stimmen f\u00fcr die zweite Person der Dreifaltigkeit: \"Fili, Redemptor mundi, Deus\"). Der Zyklus kehrt zu seinem Ursprung zur\u00fcck, wenn die Altstimme erneut eingreift und den Heiligen Geist anruft (\"Spiritus Sancte, Deus\"). Die drei Stimmen rufen dann unisono \"Sancta Trinitas\" aus, woraufhin nur der Sopran singt: \"Unus Deus\". In aller K\u00fcrze lassen die Instrumente die letzten Takte der Stimmen erklingen und bereiten den Beginn der Lobpreisung Mariens vor.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Lobgesang auf die Jungfrau Maria<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In zweieinhalb Minuten hat es Charpentier, getreu den Idealen des r\u00f6mischen Oratoriums, geschafft, die Emotionen zu bewegen, den \u00e4sthetischen Geschmack zu interessieren, die symbolische Reflexion anzuregen und den Zuh\u00f6rer, kurz gesagt, diese Musik als eine betende Erfahrung zu h\u00f6ren, um die Jungfrau Maria zu betrachten. Gerade die Anrufung Marias, die vom gesamten musikalischen Personal gesungen wird, dient dazu, das Bild der Jungfrau in klangvoller Form zu vergegenw\u00e4rtigen, um das herum eine majest\u00e4tische erste Reihe von Litaneien gesungen wird, auf die die vier Solistinnen und die f\u00fcnf Solisten antworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Art der Gegen\u00fcberstellung von Ch\u00f6ren oder Antiphonen ist sehr charakteristisch f\u00fcr die fr\u00fche Barockmusik, sowohl in Italien (wo sie ihren Ursprung hat) als auch in Frankreich und Spanien. An vielen Stellen dieser \"Litaneien\" wird man feststellen, dass er den musikalischen Ausdruck dynamisiert und dem Klang mehr Tiefe und Resonanz verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die mit \"Mater\" beginnenden Litaneien sind den m\u00e4nnlichen Solisten anvertraut, die sie nach und nach \u00fcber dem Basso continuo verwoben singen und mit einem weiteren sehr kurzen instrumentalen Einsatz enden. Charpentier markiert den \u00dcbergang von einem Abschnitt der \"Litaneien\" zum n\u00e4chsten mit kurzen Instrumentalpassagen. Die \"Virgo\"-Litaneien werden wieder im Stil von antiphonischen Ch\u00f6ren gesungen. Es folgt eine schwindelerregende Reihe von Lobpreisungen, beginnend mit \"Speculum iustiti\u00e6\", in der ein raffiniertes Spiel der musikalischen Spiegelung zwischen den beiden Sopranen den Text illustriert. In dieser Reihe kann man entdecken, wie jede der Litaneien eine ebenso kurze wie anschauliche musikalische Behandlung erf\u00e4hrt und so eine sch\u00f6ne Reihe von musikalischen Miniaturen der Titel liefert, mit denen die Jungfrau Maria angerufen wird. Zum Beispiel die drei \"Vas\"-Litaneien, die von den m\u00e4nnlichen Solisten am Continuo gesungen werden, oder die leuchtenden Melodien, die den wichtigsten Titeln der Litaneien der Jungfrau Maria gewidmet sind. <em>himmlisch<\/em> der Jungfrau: \"Rosa mystica\", \"Domus aurea\", \"Porta c\u00e6li\", \"Stella matutina\"...&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Reihe von Litaneien, die einen schwerm\u00fctigeren und flehenden Charakter haben, erhalten eine ruhigere und melancholischere Musik, die in der Wiederholung der Anrufungen \"Consol\u00e1trix afflict\u00f3rum\", \"Aux\u00edlium christian\u00f3rum\" einen ausdrucksstarken H\u00f6hepunkt von herrlicher Z\u00e4rtlichkeit erreicht. Dies sind die einzigen einzelnen Anrufungen, die in der gesamten Komposition wiederholt werden, was darauf hindeutet, dass sie f\u00fcr den Autor ein besonderes spirituelles Bed\u00fcrfnis zum Ausdruck brachten, das er leicht verstehen und teilen konnte. In ausgepr\u00e4gtem Hell-Dunkel wird die D\u00fcsternis dieser Reihe mit der leuchtenden Freude des letzten Abschnitts kontrastiert, in dem die Jungfrau als K\u00f6nigin gepriesen wird: von Engeln, Patriarchen, Propheten, Aposteln, M\u00e4rtyrern, Bekennern, Jungfrauen und allen Heiligen (die damals im Text enthaltenen Anrufungen). Die verbl\u00fcffende Wiederholung des Wortes \"Regina\" in diesen Anrufungen sowie die Wiederholung der gesamten Reihe f\u00fchren zu einem bewundernswerten Abschluss dieser Kette von Bitten und Lobpreisungen an die Jungfrau Maria. In allen Abschnitten endet die Gruppe der Anrufungen mit der Bitte \"Ora pro nobis\" (sie wird also nicht nach jeder einzelnen Anrufung gesungen, wie es im Rezitativ \u00fcblich ist), aber im letzten Abschnitt, der Maria als K\u00f6nigin besingt, wird diese Bitte mit gr\u00f6\u00dferer Erhabenheit gesungen und erreicht so den letzten H\u00f6hepunkt des Lobpreises der Jungfrau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie f\u00fcr Litaneien typisch, folgt auf die marianischen Anrufungen ein dreifaches \"Agnus Dei\", das einfach und elegant komponiert ist und der gesamten Komposition einen heiteren und zuversichtlichen Abschluss verleiht. Das letzte der drei \"Agnus Dei\", in dem gesungen wird: \"Agnus Dei, qui tollis peccata mundo, miserere nobis\", zeichnet sich durch die bewundernswerte Breite der antiphonischen Ch\u00f6re aus. Mit diesem Bu\u00dfton endet diese kleine Sammlung von Lobpreisungen der Jungfrau Maria, die vielleicht dazu beitragen kann, eine sch\u00f6ne Zeit der musikalischen Kontemplation mit Blick auf die Mutter Gottes zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Marc Antoine Charpentier Litanies de La Vierge Jordi Savall Le Concert des Nations\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0w4em2Z-1-s?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quienes hayan seguido hace algunas d\u00e9cadas las emisiones de Eurovisi\u00f3n estar\u00e1n familiarizados con la se\u00f1orial fanfarria que las precede, evocadora de tiempos de m\u00e1s lustre y se\u00f1or\u00edo. 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