{"id":42824,"date":"2024-11-01T07:02:00","date_gmt":"2024-11-01T05:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=42824"},"modified":"2024-10-31T13:35:48","modified_gmt":"2024-10-31T11:35:48","slug":"deutsche-kirchensteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/actualidad\/impuesto-eclesiastico-aleman\/","title":{"rendered":"Die deutsche Kirchensteuer"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Das System der Kirchenfinanzierung in Deutschland hat seine eigene Besonderheit, die so genannte Kirchensteuer, die den Unterhalt sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche sicherstellt, wie es im Grundgesetz verankert ist. Die Steuer wird vom Staat, insbesondere von den Finanz\u00e4mtern, eingezogen. Der Steuersatz betr\u00e4gt in den meisten Bundesl\u00e4ndern 9 % der Einkommensteuer (IRPF), in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg ist er jedoch auf 8 % reduziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut der Website des <a href=\"https:\/\/www.dbk.de\/\">Deutsche Bischofskonferenz <\/a>(DBK) wird die Kirchensteuer definiert als \"ein Beitrag, den die Kirchenmitglieder zur Finanzierung ihrer Religionsgemeinschaft leisten. Sie ist keine staatliche Subvention, sondern ein Mechanismus, durch den die Kirche Mittel direkt von ihren Mitgliedern erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Ursprung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses System hat historische Gr\u00fcnde, n\u00e4mlich die \"S\u00e4kularisierung\" des kirchlichen Eigentums in Deutschland, ein Ph\u00e4nomen, das in Spanien als \"desamortizaci\u00f3n\" bekannt ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der napoleonischen Kriege wurden die deutschen Gebiete westlich des Rheins Frankreich einverleibt, und als Entsch\u00e4digung f\u00fcr den Verm\u00f6gensverlust verabschiedete der Reichstag des Heiligen R\u00f6mischen Reiches auf seiner Sitzung 1803 - der letzten vor seiner Aufl\u00f6sung - den (von Kaiser Franz II. am 27. April desselben Jahres ratifizierten) so genannten \"Reichsdeputationshauptschluss\", durch den das Kirchenverm\u00f6gen enteignet wurde. Im Gegenzug verpflichteten sich die deutschen Staaten, die Mission der Kirchen durch staatliche Zuwendungen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Seit dem 19. Jahrhundert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirtschaftliche und politische Faktoren f\u00fchrten jedoch im 19. Jahrhundert zur Einf\u00fchrung der Kirchensteuer. Das Bev\u00f6lkerungswachstum und die Folgen der Industrialisierung erh\u00f6hten den Bedarf der Kirche, und die mit der Franz\u00f6sischen Revolution eingeleitete zunehmende Trennung von Staat und Kirche festigte dieses System. Ab 1827 wurde, beginnend mit Lippe-Detmold, die Kirchensteuer eingef\u00fchrt, mit der die Verantwortung f\u00fcr die Finanzierung der Landeskirchen auf deren Mitglieder \u00fcbertragen wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe des 19. Jahrhunderts \u00fcbernahmen auch die anderen Territorien dieses System, Preu\u00dfen als letztes im Jahr 1905. Die Steuer wurde Teil der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t und wurde 1919 in die Verfassung der Weimarer Republik und nach dem Zweiten Weltkrieg in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. In Artikel 140 dieses Gesetzes wurden die Bestimmungen der Weimarer Verfassung \u00fcbernommen, darunter auch das Recht der Religionsgemeinschaften, Steuern zu erheben. So bleibt Art. 137 der Verfassung von 1919 in Kraft: \"Religionsgesellschaften, die K\u00f6rperschaften des \u00f6ffentlichen Rechts sind, haben das Recht, nach Ma\u00dfgabe der landesgesetzlichen Vorschriften Steuern auf Grund der b\u00fcrgerlichen Steuerlisten zu erheben\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch f\u00fcr Ausl\u00e4nder<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses in der Verfassung verankerte System besagt, dass jeder, der Mitglied einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft ist, wie z. B. der katholischen Kirche, Kirchensteuer zahlen muss, wenn er staatliche Steuern zahlt. Die DBK stellt jedoch fest: \"Wer keine Einkommensteuer zahlt, ist auch kein Kirchensteuerzahler\", was Arbeitslose oder Rentner ohne andere Eink\u00fcnfte ausnimmt. Ausl\u00e4ndische Einwohner und Steuerpflichtige in Deutschland sind ebenfalls zur Zahlung der Einkommensteuer verpflichtet, auch wenn in ihrem Heimatland keine solche Verpflichtung besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl es Initiativen zur Abschaffung dieses Systems gegeben hat, halten sowohl die Kirche als auch der Staat es f\u00fcr vorteilhaft. Im Jahr 2023 nahm die katholische Kirche etwa 6,51 Milliarden Euro ein, 5 % weniger als im Vorjahr, w\u00e4hrend die evangelische Kirche 5,9 Milliarden Euro einnahm, 5,3 % weniger. Dar\u00fcber hinaus profitiert der Staat, indem er zwischen 2 % und 4 % aus der Einziehung dieser Steuer durch seine Finanz\u00e4mter erh\u00e4lt. W\u00fcrde der Staat die Sozial- und Gesundheitsdienste \u00fcbernehmen, die die Kirche mit diesen Einnahmen finanziert, w\u00e4ren die Kosten noch wesentlich h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kritik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer der am meisten kritisierten Aspekte der derzeitigen Situation ist die Tatsache, dass die Mitgliedschaft in der Kirche die Zahlung der Kirchensteuer zur Pflicht macht. Das bedeutet, dass eine Person, die, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, keine Kirchensteuer mehr zahlen m\u00f6chte - z. B. aus rein finanziellen Gr\u00fcnden, da sie, anders als in anderen L\u00e4ndern, nicht verpflichtet ist, die zus\u00e4tzlichen % oder % ihrer Einkommensteuer f\u00fcr andere Zwecke zu verwenden -, vor einer staatlichen Beh\u00f6rde aus der Kirche (\"Kirchenaustritt\") austreten muss. Je nach Bundesland geschieht dies beim Amtsgericht oder beim Standesamt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach jahrelangen Debatten hat das Bundesverwaltungsgericht 2012 entschieden, dass es nicht m\u00f6glich ist, sich von der Kirche als juristischer Person zu trennen und gleichzeitig Mitglied der Religionsgemeinschaft zu bleiben. Mit anderen Worten: Ein Austritt bedeutet formell Apostasie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits ist die Kirchensteuer eine wichtige S\u00e4ule zur Wahrung der Einheit der Kirche in Deutschland mit Rom. W\u00e4hrend der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/actualidad\/dossier-camino-sinodal-aleman\/\">\"Deutscher \"Synodalweg<\/a>F\u00fcr den Fall eines Schismas wurden Bedenken ge\u00e4u\u00dfert. In dem hypothetischen Fall, dass ein solches Schisma eintritt und die katholische Kirche in Deutschland ihre Gemeinschaft mit Rom aufk\u00fcndigt, w\u00fcrde sie auch ihren Status als \"K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts\" (denn das ist die \"r\u00f6misch-katholische Kirche\") verlieren, einen Status, der es ihr erm\u00f6glicht, die staatlich anerkannte Kirchensteuer zu erhalten. Die aus dem Schisma hervorgegangene neue Einheit w\u00fcrde ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt, es sei denn, es gelingt ihr, die staatliche Anerkennung zu erlangen, was ein komplizierter Prozess w\u00e4re.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>El sistema de financiaci\u00f3n de la Iglesia en Alemania tiene caracter\u00edsticas propias, el denominado impuesto eclesi\u00e1stico (\u201cKirchensteuer\u201d), que asegura el mantenimiento tanto de la Iglesia cat\u00f3lica como de la evang\u00e9lica, seg\u00fan lo establecido en la Constituci\u00f3n alemana. 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