{"id":41110,"date":"2024-08-09T10:45:35","date_gmt":"2024-08-09T08:45:35","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=41110"},"modified":"2024-08-09T10:45:36","modified_gmt":"2024-08-09T08:45:36","slug":"edith-stein-judische-karmeliterphilosophin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/foco\/edith-stein-judia-filosofa-carmelita\/","title":{"rendered":"Edith Stein: J\u00fcdin, Philosophin, Karmelitin"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\"Komm, lass uns in unser Dorf gehen. Mit diesen Worten, <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/actualidad\/edith-stein-en-camino-doctora-de-la-iglesia\/\">Edith Stein<\/a> sprach ihre Schwester Rosa am 9. August 1942 auf der ber\u00fcchtigten Rampe von Auschwitz an, auf dem Weg in die Gaskammer. Am 2. August waren die beiden Karmeliterinnen zusammen mit 244 anderen katholischen Juden in Utrecht verhaftet worden, als Vergeltungsma\u00dfnahme gegen niederl\u00e4ndische Bisch\u00f6fe, die die Nazi-Besatzung \u00f6ffentlich kritisiert hatten. Die Worte, die Edith Stein Jahre zuvor geschrieben hatte, erwiesen sich als prophetisch: \"Die Welt steht in Flammen: der Kampf zwischen Christus und dem Antichristen ist offen ausgebrochen; wenn du dich f\u00fcr Christus entscheidest, kann es dich dein Leben kosten\". Edith und Rosa wurden wegen ihrer j\u00fcdischen Abstammung ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Edith Stein war es kein Widerspruch, Christin und Katholikin zu sein, ohne ihre j\u00fcdischen Wurzeln zu verleugnen. Sie lie\u00df sich im Alter von drei\u00dfig Jahren am 1. Januar 1922, dem Tag der Beschneidung Jesu, taufen; sie w\u00e4hlte dieses Datum bewusst, um zu betonen, dass ihre Konversion keine Abkehr vom Judentum war. In K\u00f6ln steht seit 1999 vor dem Erzbisch\u00f6flichen Priesterseminar ein Bronzedenkmal mit dem Titel \"Gruppe mit einer Heiligen\". Die Frau, die auf dem Schemel sitzt und sich nachdenklich auf einen Davidstern st\u00fctzt, stellt die junge Edith Stein dar. Dort steht die Nonne, die Christus am Kreuz h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Edith-Stein_01_Achim-Raschka-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-41111\" style=\"width:564px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Teresia Benedicta a Cruce, \"gesegnet durch das Kreuz\", wurde als ihr Ordensname gew\u00e4hlt. Eines ihrer Hauptwerke tr\u00e4gt den Titel \"Die Wissenschaft vom Kreuz\". Sie trug das Kreuz nicht nur nach ihrer Verhaftung, sondern auch w\u00e4hrend der schmerzhaften Trennung von ihrer Familie nach ihrer Taufe. Bei ihrer Seligsprechung am 1. Mai 1987 bezeichnete Papst Johannes Paul II. sie als \"J\u00fcdin, Philosophin, Nonne und M\u00e4rtyrerin\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Suche nach der Wahrheit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren, am Jom Kippur, einem der wichtigsten j\u00fcdischen Feiertage. W\u00e4hrend eines Aufenthalts bei ihrer Schwester Elsa und ihrem Schwager Max Gordon in Hamburg im Jahr 1906 erz\u00e4hlte die 15-J\u00e4hrige sp\u00e4ter: \"Ich habe bewusst und aus freien St\u00fccken aufgeh\u00f6rt zu beten\". Ihre Suche nach der Wahrheit setzte sie jedoch ihr Leben lang fort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Hamburg kam sie erstmals mit wissenschaftlichem Denken in Ber\u00fchrung, denn Max war Arzt. Im Herbst 1911 schrieb sich Edith an der Universit\u00e4t Breslau ein, um Germanistik, Geschichte und Philosophie zu studieren. Bald entdeckte sie das Werk des Philosophen Edmund Husserl und dessen Ph\u00e4nomenologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Husserl suchte den direkten Zugang zu den Ph\u00e4nomenen, indem er vorgefasste Meinungen \u00fcber die Erscheinungen ausschaltete. Sein Ziel war ein \"reines\" Bewusstsein der Dinge, wie sie objektiv sind. \"Zu den Dingen selbst\", lautete Husserls Maxime, der Edith Stein mit Begeisterung folgte. Nach ihrer Promotion arbeitete sie als Assistentin bei Husserl und widmete sich intensiv der Forschung.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Edith Stein schrieb ihre Dissertation f\u00fcr eine Professur, wurde aber sowohl in G\u00f6ttingen als auch in Kiel und Hamburg von der Fakult\u00e4t abgelehnt. Als Frau und als J\u00fcdin hatte sie keine Chance. In den ersten Jahren der Weimarer Republik schrieb sie Abhandlungen zur nationalen Politik und reflektierte zunehmend \u00fcber ihr eigenes Gottesbild.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Taufe von Edith Stein<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie studierte die Exerzitien des heiligen Ignatius von Loyola und die mystischen Schriften der heiligen Teresa von Avila, eine Begegnung, die sie zur Taufe f\u00fchrte, ohne das Judentum zu verwerfen. Edith Stein erkannte die Verbindungen zwischen den beiden Religionen und leugnete nie, was das Christentum dem Judentum verdankt. Ihre Taufe war jedoch ein Schock f\u00fcr ihre Familie. Ihre Nichte Susanne Batzdorff-Bieberstein erinnert sich: \"Indem sie katholisch wurde, hat unsere Tante ihr Volk im Stich gelassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ihrer Taufe arbeitete Edith Stein als Deutschlehrerin im Dominikanerinnenkloster St. Magdalena in Speyer. Obwohl sie zun\u00e4chst au\u00dferhalb der Klostermauern lebte, n\u00e4herte sie sich dem kl\u00f6sterlichen Leben an. Ihre wissenschaftliche Wahrheitssuche setzt sie in ihren religionsphilosophischen Werken fort und vertieft sich in die Glaubenswahrheiten, indem sie den \"Quaestiones disputatae de veritate\" des heiligen Thomas von Aquin folgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Edith Stein suchte nach neuen Wegen, die Vernunft mit dem Glauben in Beziehung zu setzen und sie mit ihrer eigenen Gotteserfahrung zu f\u00fcllen. Sie verglich die moderne Ph\u00e4nomenologie ihres gro\u00dfen Vorbilds Husserl mit den Lehren des Aquin: \"Unsere Zeit gibt sich nicht mehr mit methodischen \u00dcberlegungen zufrieden. Die Menschen sind verunsichert und suchen nach Halt. Sie wollen eine greifbare, inhaltliche Wahrheit, die sich im Leben zeigt. Sie wollen eine 'Lebensphilosophie', und sie finden sie bei Thomas von Aquin\".<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schutzpatronin von Europa<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Edith-Stein_04_Stolperstein-Koln-1024x1013.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-41112\" style=\"width:309px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gedenktafel<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Edith Stein jede \u00f6ffentliche T\u00e4tigkeit untersagt. Im Jahr 1935, im Alter von 44 Jahren, trat sie in den kontemplativen Orden der Karmeliten ein und nahm den Namen Teresia Benedicta a Cruce an. Am 31. Dezember 1938 floh sie nach Holland, wo sie im Karmel von Echt lebte und ihr Testament verfasste, in dem sie ihr Leben und ihren Tod Christus zur Heiligung ihres Ordens und zur \"S\u00fchne f\u00fcr den Unglauben des j\u00fcdischen Volkes\" aufopferte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz Kritik von j\u00fcdischer Seite, weil sie nicht wegen ihres Christentums, sondern wegen ihrer j\u00fcdischen Herkunft get\u00f6tet wurde, wurde sie am 1. Mai 1987 seliggesprochen. <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/john-paul-ii\/es\/homilies\/1998\/documents\/hf_jp-ii_hom_11101998_stein.html\">heiliggesprochen <\/a>am 11. Oktober 1998. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde sie von Papst Johannes Paul II. in die Liste der Schutzheiligen Europas aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Edith Steins Leben war gepr\u00e4gt von einer st\u00e4ndigen Suche nach Wahrheit und einem tiefen Wunsch nach geistiger und intellektueller Erf\u00fcllung. Ihr Engagement f\u00fcr die Philosophie und ihr sp\u00e4terer Eintritt in den Karmel zeugen von ihrer unersch\u00fctterlichen Hingabe an ihre \u00dcberzeugungen und ihren Glauben. Seine Ermordung in Auschwitz bleibt ein Zeugnis f\u00fcr das unermessliche Leid, das das j\u00fcdische Volk w\u00e4hrend der Shoah erfahren hat.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cVen, vamos por nuestro pueblo\u201d. Con estas palabras, Edith Stein se dirigi\u00f3 a su hermana Rosa en la tristemente c\u00e9lebre rampa de Auschwitz el 9 de agosto de 1942, camino de la c\u00e1mara de gas. 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