{"id":22038,"date":"2022-07-17T06:00:00","date_gmt":"2022-07-17T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=22038"},"modified":"2022-08-01T12:24:56","modified_gmt":"2022-08-01T11:24:56","slug":"interview-religiose-freiheit-religiose-latein-amerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/actualidad\/entrevista-libertad-religiosa-america-latina\/","title":{"rendered":"<b>Teresa Flores<\/b>Fortsetzung lesen : \"In Lateinamerika herrscht ein religionsfeindliches Umfeld\"."},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\"In L\u00e4ndern mit autorit\u00e4ren Tendenzen, wie in Nicaragua, ist die Kirche eine der wenigen, wenn nicht die einzige Institution, die eine gr\u00f6\u00dfere Glaubw\u00fcrdigkeit genie\u00dft, und daher wird ihr Einfluss in der Bev\u00f6lkerung als Gefahr f\u00fcr die Kontrolle der Regierung angesehen\", erkl\u00e4rt in diesem Interview Rechtsanw\u00e4ltin Teresa Flores, Direktorin des Observatoriums f\u00fcr Religionsfreiheit in Lateinamerika (Observatorio de Libertad Religiosa en Am\u00e9rica Latina).<a href=\"https:\/\/olire.org\/es\/monitorear\/base-de-datos-de-incidentes-violentos\/\">OLIRE<\/a>), deren Aufgabe es ist, die Religionsfreiheit zu f\u00f6rdern und die Einschr\u00e4nkungen dieses Rechts in der Region bekannt zu machen. <strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/FotoTeresaFlores1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22040\" srcset=\"https:\/\/staging.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/FotoTeresaFlores1.jpg 400w, https:\/\/staging.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/FotoTeresaFlores1-300x300.jpg 300w, https:\/\/staging.omnesmag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/FotoTeresaFlores1-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Nicaragua \"sind politisch motivierte Verletzungen der Religionsfreiheit eskaliert, und die Regierung hat verschiedene Strategien angewandt, um die Stimme religi\u00f6ser F\u00fchrer, insbesondere der Katholiken, einzusch\u00fcchtern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausweisung der Missionare der N\u00e4chstenliebe ist nur eine weitere Episode in dieser Kampagne der Einsch\u00fcchterung und Vergeltung\", f\u00fcgt er hinzu. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens wurden die Missionare in Costa Rica von Mons. <strong>Salazar Mora, Bischof der Di\u00f6zese Tilar\u00e1n-Liberia, sagte, es sei \"eine Ehre\", sie zu empfangen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor genau eineinhalb Monaten, <a href=\"https:\/\/hrwf-eu.translate.goog\/world-intolerance-and-discrimination-against-christians-a-new-report\/?_x_tr_sl=en&amp;_x_tr_tl=es&amp;_x_tr_hl=es&amp;_x_tr_pto=op,sc\">IOPDAC<\/a> Europe, sein lateinamerikanischer Partner OLIRE und das IIRF (Internationales Institut f\u00fcr Religionsfreiheit) stellten in Wien einen gemeinsamen Bericht vor, der sich auf vier Studien st\u00fctzt, die in zwei europ\u00e4ischen L\u00e4ndern (Frankreich und Deutschland) und zwei lateinamerikanischen L\u00e4ndern (Kolumbien und Mexiko) auf der Grundlage pers\u00f6nlicher Interviews mit praktizierenden Christen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft durchgef\u00fchrt wurden. Einige dieser Ideen wurden bereits er\u00f6rtert <a href=\"https:\/\/www.omnesmag.com\/actualidad\/entrevista-martin-kugler\/\">Martin Kugler<\/a> in Omnes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt spricht Omnes mit <strong>Teresa Flores<\/strong>Sie ist Juristin an der Universidad Cat\u00f3lica Santo Toribio de Mogrovejo (Peru), hat einen Master-Abschluss in Verfassungsrecht und Menschenrechten an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos (Peru) und ein Diplom in Religionswissenschaften an der Universidad Cat\u00f3lica de Chile erworben. Sie hat auch in Mendoza (Argentinien) gearbeitet und ist Forscherin am Centro de Investigaciones Sociales Avanzadas (CISAV) in Quer\u00e9taro (Mexiko).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>K\u00f6nnen Sie die Schlussfolgerungen des Berichts zusammenfassen, insbesondere im Hinblick auf die lateinamerikanischen L\u00e4nder? Es scheint, dass die Intoleranz zunimmt und die Meinungsfreiheit von Christen und Katholiken zunehmend bedroht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Es ist wichtig zu bedenken, dass es sich bei der Untersuchung um einen ersten, explorativen Ansatz zum Ph\u00e4nomen der Selbstzensur unter Christen (Katholiken und Nichtkatholiken) in Kolumbien und Mexiko handelt. Wie im Bericht erw\u00e4hnt, wurde in der Gruppe der Befragten (ca. 40 Personen) die Tendenz festgestellt, dass es ihnen sehr schwer f\u00e4llt, sich im \u00f6ffentlichen oder privaten Raum auf der Grundlage ihres Glaubens zu \u00e4u\u00dfern, insbesondere wenn es um Fragen des Lebens, der Ehe, der Familie, der Euthanasie, der gleichgeschlechtlichen Adoption und andere damit zusammenh\u00e4ngende Themen geht, so dass sie sich gelegentlich f\u00fcr eine Selbstzensur entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Schwierigkeit besteht nicht nur in der Angst vor administrativen oder strafrechtlichen Sanktionen im Rahmen der Antidiskriminierungsgesetze, sondern auch in der Gefahr, gesellschaftlich diskreditiert zu werden. Es ist erw\u00e4hnenswert, dass sich die soziale Diskreditierung nicht nur auf Kritik beschr\u00e4nkt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal bringt das feindliche soziale Umfeld eine Belastung mit sich, die sich in der Ausgrenzung aus bestimmten Kreisen und damit in sozialer Isolation \u00e4u\u00dfert, was sich auf die Bew\u00e4ltigung des Alltags auswirkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Reaktionen auf ein feindseliges soziales Umfeld werden unterschiedlich sein, nicht wahr?<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Nat\u00fcrlich ist die Art und Weise, wie man mit m\u00f6glichen Sanktionen oder einem feindlichen Umfeld umgeht, von Person zu Person unterschiedlich. Eines der Ergebnisse der Untersuchung ist, dass es unter den Befragten einerseits die Gruppe derjenigen gibt, die sich nicht selbst zensieren und die Folgen eines feindseligen Umfelds in Kauf nehmen, indem sie argumentieren, dass ihr Glaube es wert ist und dass sie die Konsequenzen daraus tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sich aus Angst vor rechtlichen und\/oder sozialen Sanktionen selbst zensieren. Es gibt auch diejenigen, die aufgrund der st\u00e4ndigen Selbstzensur und der fehlenden oder kaum vorhandenen Begleitung im Glauben durch eine religi\u00f6se, christliche Gemeinschaft allm\u00e4hlich ihren Glauben verlieren oder allm\u00e4hlich aufh\u00f6ren, die mit der Selbstzensur verbundenen Merkmale als Problem zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollten jedoch nicht als Versuch verstanden werden, Christen (katholische und nicht-katholische) zu schikanieren. Zwar ist die Meinungs\u00e4u\u00dferung von Christen sowohl in Mexiko als auch in Kolumbien aufgrund ihres Glaubens eingeschr\u00e4nkt, doch m\u00fcssen wir auch das Gegenst\u00fcck anerkennen, n\u00e4mlich Christen, die anderen Positionen oder \u00dcberzeugungen gegen\u00fcber intolerant sind und die unter Berufung auf ihren Glauben schlie\u00dflich andere Gruppen stigmatisieren oder diskriminieren. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass immer eine Einzelfallpr\u00fcfung erforderlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erz\u00e4hlen Sie uns von einem Fall aus Kolumbien oder Mexiko.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- In Kolumbien und Mexiko berichteten uns beispielsweise Sch\u00fcler, dass sie nicht mehr am Unterricht teilnahmen, weil ihre auf dem Glauben basierenden Meinungen zu Fragen der Sexualit\u00e4t oder des Geschlechts der Denkweise des Lehrers oder der institutionellen Linie widersprachen und ihnen eine Missbilligung oder ein Ausschluss drohte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Mexiko sagten die befragten Beamten, dass sie sich genau \u00fcberlegen m\u00fcssen, welche Worte sie verwenden, um nicht in einen \"bestimmten Rahmen\" eingeordnet zu werden oder um nicht vor dem Ombudsmann, dem Kongress oder der Staatsanwaltschaft angezeigt zu werden. \u00c4u\u00dferungen, die sich auf ihren Glauben oder ihre auf dem Glauben basierenden Ansichten beziehen, f\u00fchren zu Kontroversen und folglich zur Ablehnung durch ihre Parteien oder die Institutionen, in denen sie arbeiten. Ein kolumbianisches Ratsmitglied wies darauf hin, dass st\u00e4ndige Vorsicht eine Selbstaufopferung der \u00f6ffentlichen T\u00e4tigkeit ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anerkennung der Selbstzensur und der abschreckenden Wirkung auf Christen bedeutet, dass es einen Teil der Gl\u00e4ubigen christlicher Lehre gibt, die sich in einem feindseligen Umfeld nicht frei f\u00fchlen, ihre auf dem Glauben basierenden \u00dcberzeugungen zu den oben genannten sensiblen Themen zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Madeleine Enzlberger, Exekutivdirektorin von OIDAC Europe, wies darauf hin, dass \"eine der besorgniserregendsten und tragischsten Schlussfolgerungen dieses (Wiener) Berichts darin besteht, dass die Menschen ihren Glauben schlie\u00dflich aufgeben werden, wenn die sozialen Kosten f\u00fcr das Befolgen und Ausdr\u00fccken ihres Glaubens zu hoch werden. Teilen Sie diese Ansicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Wie bereits erw\u00e4hnt, haben die Untersuchungen in Kolumbien und Mexiko bei einigen Befragten die M\u00f6glichkeit aufgezeigt, die Selbstzensur nicht mehr als Problem oder als etwas, das die Glaubenserfahrung beeintr\u00e4chtigt, zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen m\u00fcssen nicht immer dazu f\u00fchren, dass der Glaube ganz aufgegeben wird, aber die Identifizierung des eigenen Glaubens oder der darauf basierenden Meinungen als sch\u00e4dlich, als Nachteil oder als Belastung, die es einem nicht erlaubt, im sozialen Umfeld \"voranzukommen\", ist eine Form von Druck mit der m\u00f6glichen Folge, dass man den eigenen Glauben nicht mehr pflegt oder kein Interesse daran hat, ihn zu teilen. Selbst diejenigen, die keine solide Ausbildung in ihrem Glauben haben, k\u00f6nnen dazu \u00fcbergehen, Lehrinhalte zu \u00fcbernehmen, die eher der politischen Korrektheit entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auf olire.org findet sich ein Bericht mit dem Titel '<\/strong><a href=\"https:\/\/olire.org\/es\/monitorear\/base-de-datos-de-incidentes-violentos\/\"><strong>Daten<\/strong><\/a><strong> K\u00f6nnen Sie eine kurze Gesamtbewertung der Anerkennung dieses Grundrechts in Lateinamerika abgeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Das Recht auf Religionsfreiheit ist in den meisten lateinamerikanischen L\u00e4ndern anerkannt. Dieses Recht ist in normativen Rahmenwerken geregelt, wobei je nach Land oder politischem Kontext einige mehr Schutz bieten als andere. So ist beispielsweise der Schutz der Religionsfreiheit in Nicaragua nicht derselbe wie in Kolumbien, El Salvador oder Honduras.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tatsache, dass die Verfassung oder die Rechtsvorschriften eines Landes versuchen, dieses Recht zu garantieren, ist ein guter Ausgangspunkt, reicht aber nicht aus. Selbst wenn die Gesetze im Text Parameter f\u00fcr die Anwendung und den Schutz festlegen, gibt es in der Praxis manchmal verschiedene Zusammenh\u00e4nge, die die Aus\u00fcbung dieses Rechts in seinen verschiedenen Dimensionen gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Anbetracht der Tatsache, dass die Religionsfreiheit nicht auf die private Sph\u00e4re beschr\u00e4nkt ist, sondern \u00fcber die kollektive und \u00f6ffentliche Sph\u00e4re hinausgeht, wird die volle Aus\u00fcbung dieses Rechts durch die Behinderung von Gottesdiensten in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen, die Behinderung der Finanzierung konfessioneller Organisationen, die Kriminalisierung von Glaubensbekundungen, die Bedrohung von Religionsf\u00fchrern, die sich politisch oder sozial engagieren, usw. beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lateinamerika ist von diesen Ph\u00e4nomenen nicht ausgenommen; in der gesamten Region wurden verschiedene Dynamiken festgestellt, die dieses Recht einschr\u00e4nken. Dazu geh\u00f6ren die Feindseligkeit gegen\u00fcber religi\u00f6sen \u00c4u\u00dferungen durch staatliche und nichtstaatliche Akteure, die Feindseligkeit gegen\u00fcber religi\u00f6sen Konversionen in indigenen Gemeinschaften, die Regulierung der Religion durch das organisierte Verbrechen und religi\u00f6se Beschr\u00e4nkungen, die durch totalit\u00e4re staatliche Kontrolle oder durch eine politische Ideologie mit Bezug zum Kommunismus motiviert sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Open-Access-Plattform der Beobachtungsstelle f\u00fcr Religionsfreiheit in Lateinamerika <a href=\"https:\/\/olire.org\/es\/monitorear\/base-de-datos-de-incidentes-violentos\/\"><em>Gewaltt\u00e4tig<\/em><\/a><em> Datenbank f\u00fcr Zwischenf\u00e4lle,<\/em> die Informationen \u00fcber Verst\u00f6\u00dfe gegen das Recht auf Religionsfreiheit in der Region enth\u00e4lt, die durch Sekund\u00e4rforschung, Informationen von Kooperationspartnern oder als Ergebnis von Feldforschung ermittelt wurden. In dieser Datenbank k\u00f6nnen F\u00e4lle im Zusammenhang mit der oben genannten Dynamik \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nicaragua hat die Missionarinnen der N\u00e4chstenliebe von Mutter Teresa von Kalkutta ausgewiesen. Was geht Ihrer Meinung nach in diesem Land vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- In L\u00e4ndern mit autorit\u00e4ren Tendenzen wie Nicaragua ist die Kirche eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige Institution, die eine gr\u00f6\u00dfere Glaubw\u00fcrdigkeit genie\u00dft, und daher wird ihr Einfluss in der Bev\u00f6lkerung als Gefahr f\u00fcr die Kontrolle durch die Regierung angesehen. In dem Land sind politisch motivierte Verletzungen der Religionsfreiheit eskaliert, und die Regierung hat verschiedene Strategien angewandt, um religi\u00f6se F\u00fchrer, insbesondere Katholiken, einzusch\u00fcchtern, wenn ihre \u00c4u\u00dferungen als kritisch empfunden werden, wenn sie die Opposition unterst\u00fctzen oder wenn sie die Bem\u00fchungen um die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit im Land ablehnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausweisung der Missionare der N\u00e4chstenliebe ist nur eine weitere Episode in dieser Kampagne der Einsch\u00fcchterung und Vergeltung durch die Regierung. Die Ma\u00dfnahmen, die gegen den als oppositionell wahrgenommenen katholischen religi\u00f6sen Sektor ergriffen werden, reichen von Mobilit\u00e4ts-\/Reisebeschr\u00e4nkungen mit der Einbehaltung oder dem Entzug von Visa, Einreisehindernissen, der Schikanierung religi\u00f6ser F\u00fchrer und ihrer Familien durch die \u00dcberwachung von Kirchengemeinden, H\u00e4usern und Fahrzeugen bis hin zu Verleumdungskampagnen, verbalen Drohungen, Angriffen auf die k\u00f6rperliche Unversehrtheit, Verhaftungen und Verhaftungsdrohungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gesetze, die jegliche Kritik kriminalisieren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite gibt es Gesetze, die jegliche Kritik kriminalisieren und nach denen religi\u00f6se F\u00fchrer mit Verhaftungen oder, im Falle von religi\u00f6sen Organisationen, mit dem Verlust des Rechtsstatus bestraft werden k\u00f6nnen, ganz zu schweigen von anderen Hindernissen f\u00fcr die Arbeit oder die T\u00e4tigkeit von religi\u00f6sen Organisationen sowie von Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr die normale Arbeit oder die Aktivit\u00e4ten von Kirchen im Zusammenhang mit humanit\u00e4rer Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sogar der Interamerikanische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte hat angesichts der ernsten und dringenden Gefahrensituation, der sie ausgesetzt sind, vorsorgliche Ma\u00dfnahmen zugunsten eines Bischofs und eines Diakons in diesem Land erlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Strategien haben neben den Hasstiraden der Beh\u00f6rden gegen die Kirche auch die Gesellschaft durchdrungen und Intoleranzakte seitens regierungsfreundlicher Kollektive oder Gruppen beg\u00fcnstigt, die nicht nur die Handlungen oder \u00c4u\u00dferungen religi\u00f6ser F\u00fchrer oder ihnen nahestehender Gemeinden \u00fcberwachen, sondern auch Akte des Vandalismus oder der Entweihung von Gottesh\u00e4usern begehen. Besonders b\u00f6sartig sind die Angriffe auf die katholischen Kirchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auf der anderen Seite gibt es L\u00e4nder, in denen ein Verfassungsprozess im Gange ist. Wie sehen Sie diese Prozesse in Bezug auf das Recht auf Religionsfreiheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Was die verfassungsrechtlichen Verfahren und ihr Verh\u00e4ltnis zum Recht auf Religionsfreiheit angeht, so w\u00fcrde ich sagen, dass es ziemlich eng ist. Politische Verfassungen enthalten unter anderem die grundlegenden Prinzipien des Staates, die Art der Regierung und die Art und Weise, wie die Menschenrechte der B\u00fcrger eines jeden Landes verstanden und gesch\u00fctzt werden, einschlie\u00dflich des Rechts auf Religionsfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei diesen Verfahren k\u00f6nnen mehrere Aspekte ber\u00fccksichtigt werden. Einerseits kann es zu Reibereien mit religi\u00f6sen Minderheiten f\u00fchren, wenn nicht die gleiche verfassungsrechtliche Anerkennung vorgesehen ist wie f\u00fcr die Mehrheits- oder traditionellen Religionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits kann eine ganze Diskussion dar\u00fcber ins Rollen kommen, ob der Staat eine bestimmte Religionsgemeinschaft einbeziehen sollte oder nicht, insbesondere wenn man ber\u00fccksichtigt, ob der Staat sich selbst als s\u00e4kular bezeichnet oder nicht. Und was ist mit dem Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat gemeint?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus bem\u00fchen sich die Religionsgemeinschaften in diesen Prozessen nicht nur um die Anerkennung der Religionsfreiheit im Allgemeinen, sondern auch um den Schutz bestimmter Rechtsfiguren, die nach der jeweiligen Glaubenslehre wichtig sind, wie Ehe und Familie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kuba, Chile, Nicaragua...<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Falle Kubas enthielt die letzte zum Referendum vorgelegte Verfassungsreform \u00c4nderungen am Konzept der Ehe, was zur Ablehnung des Vorschlags durch religi\u00f6se Gruppen f\u00fchrte, was wiederum Druck seitens der Beh\u00f6rden auf religi\u00f6se F\u00fchrer und Gemeinden aus\u00fcbte, die sich weigerten, die Verfassungsreformen zu akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im j\u00fcngsten chilenischen Fall ist eines der Diskussionsthemen im Verfassungskonvent auch die Art und Weise, wie das Recht auf Religionsfreiheit aufgenommen werden soll. Da die Verfassung das gesamte Rechtssystem eines Landes pr\u00e4gt, ist die Aufnahme dieses Rechts eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr seinen Schutz und seine Gew\u00e4hrleistung im Land.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Nicaragua hat es in letzter Zeit keinen verfassungsgebenden Prozess gegeben, aber im November letzten Jahres fanden Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt, die recht unregelm\u00e4\u00dfig verliefen. In gewisser Weise h\u00e4ngt dies auch eng mit der Art und Weise zusammen, wie die Religionsfreiheit gesch\u00fctzt wird, da der Wahlprozess als Mechanismus der B\u00fcrgerbeteiligung, wenn er nicht v\u00f6llig frei und transparent ist, die Demokratie nicht festigt, sondern vielmehr das System der Rechtsgarantien untergr\u00e4bt und Grundfreiheiten wie das Recht auf Religionsfreiheit, vor allem in seiner \u00f6ffentlichen und kollektiven Dimension, verletzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontext des Drucks in Mexiko<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine der Autorinnen des Wiener Berichts, Friederike Boellmann, betonte, dass \"der deutsche Fall zeigt, dass die Universit\u00e4ten das feindlichste Umfeld sind. Und das h\u00f6chste Ma\u00df an Selbstzensur, das ich bei meinen Forschungen im akademischen Bereich vorgefunden habe\". Passiert etwas \u00c4hnliches in Lateinamerika?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was das feindselige Umfeld an den Universit\u00e4ten betrifft, so berichteten vor allem die Befragten in Mexiko von verschiedenen Formen des Drucks auf christliche Professoren und Studenten (katholische und nicht-katholische).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Mexiko berichtete ein Universit\u00e4tsprofessor, dass er sich nach seinem Umzug von Chihuahua nach Mexiko-Stadt st\u00e4rker unter Druck gesetzt f\u00fchlte, im akademischen Umfeld nicht \u00fcber seinen Glauben zu sprechen, und dass er an der Universit\u00e4t gezwungen war, S\u00e4tze wie \"Gracias a Dios\", \"Dios te bendiga\", \"Con el favor de Dios\" usw. nicht mehr zu verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derselbe Lehrer wies darauf hin, dass er es vorzieht, bestimmte Themen nicht anzusprechen, solange er nicht ausdr\u00fccklich danach gefragt wird, aus Angst, ignoriert oder nicht geh\u00f6rt zu werden. In diesem Sinne versteht er seine Situation als didaktische Selbstzensur, um nicht die M\u00f6glichkeit zu verlieren, weiterhin \"pr\u00e4sent\" zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine andere mexikanische Lehrerin merkte an, dass sie auf das von ihr verwendete Vokabular und die Ausdr\u00fccke achten m\u00fcsse. Wenn die Sch\u00fcler ihre Religionszugeh\u00f6rigkeit kannten, spielte es keine Rolle, wenn sie bestimmte Themen mit wissenschaftlichen Argumenten ansprach, aber sie hatte das Gef\u00fchl, dass sie von ihren Sch\u00fclern sozial abgelehnt und von vornherein disqualifiziert wurde, nur weil sie akzeptierte, religi\u00f6se \u00dcberzeugungen zu haben. Selbst ihre wissenschaftlichen Artikel wurden von Redaktionen mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, sie seien \"parteiisch\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein mexikanischer Student, gegen den wegen seiner Ablehnung der Abtreibung ein Disziplinarverfahren wegen Gewalt gegen Frauen l\u00e4uft, sagte, er kenne einen Professor, der die Abtreibung bef\u00fcrworte, aber nicht offen daf\u00fcr eintreten k\u00f6nne, weil er sonst \u00c4rger mit dem Fakult\u00e4tsleiter bekomme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sind, wie in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, Gesetze oder Projekte in Vorbereitung, die die \u00c4u\u00dferung eines christlichen oder katholischen Standpunkts zur Sexualit\u00e4t oder zum Geschlecht verhindern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- Soweit ich wei\u00df, gibt es Gesetze und Gesetzesinitiativen, die darauf abzielen, die \u00c4u\u00dferung glaubensbasierter Meinungen in der Region einzuschr\u00e4nken, obwohl sie nicht nur den akademischen Sektor betreffen, sondern einen breiteren Geltungsbereich haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Vorschriften oder politische Ma\u00dfnahmen, die die Aus\u00fcbung der Religionsfreiheit oder das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgr\u00fcnden einschr\u00e4nken oder die Autonomie und Unverletzlichkeit religi\u00f6ser Einrichtungen beeintr\u00e4chtigen, wenn diese ihre eigenen \u00dcberzeugungen oder ihre institutionelle Ideologie zum Ausdruck bringen oder danach handeln und dies nicht im Einklang mit der Politik zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentit\u00e4t in einem bestimmten Land steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen die Initiative erw\u00e4hnen, die im Jahr 2020 vorgelegt wurde und die darauf abzielt, Abschnitt IV von Artikel 29 zu reformieren, der dem Kapitel \u00fcber Verst\u00f6\u00dfe und Sanktionen des Gesetzes \u00fcber religi\u00f6se Vereinigungen und \u00f6ffentliche Anbetung in Mexiko entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorschlag zielte darauf ab, diskriminierende Handlungen auf der Grundlage der sexuellen Identit\u00e4t oder des Geschlechtsausdrucks durch religi\u00f6se Organisationen und ihre Vertreter gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung, die sexuellen Minderheiten angeh\u00f6rt, zu sanktionieren. Die Initiative war nicht erfolgreich, aber sie ist ein Beispiel f\u00fcr den Versuch, die Meinungsfreiheit religi\u00f6ser F\u00fchrer zu Fragen der Sexualit\u00e4t und des Geschlechts einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es noch andere F\u00e4lle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">- In Argentinien untersuchte das Nationale Institut gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus die Bildungsinhalte des Bildungsnetzes der Fraternidad de Agrupaciones Santo Tom\u00e1s de Aquino (FASTA). Die Beh\u00f6rden waren der Ansicht, dass die Lehren, die der christlichen Ideologie der Gruppe entsprechen, homophobe und hasserf\u00fcllte Konnotationen gegen sexuelle Minderheiten und die feministische Bewegung haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kolumbien weigerte sich ein Richter, ein weibliches Paar zu verheiraten, weil dies gegen seine christlichen Moralvorstellungen und \u00dcberzeugungen versto\u00dfen w\u00fcrde. Die LGTBI-Gemeinschaft fand die Haltung des Richters beleidigend und diskriminierend. Der Richter wurde wegen Ausfl\u00fcchten angeprangert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im April dieses Jahres erkl\u00e4rte der Interamerikanische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte den chilenischen Staat f\u00fcr die Verletzung der Rechte auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung, pers\u00f6nliche Freiheit, Privatsph\u00e4re und Arbeit von Sandra Pavez Pavez verantwortlich, da sie offensichtlich diskriminiert wurde, als sie von ihrer Stelle als katholische Religionslehrerin an einer \u00f6ffentlichen Schule abgezogen wurde, nachdem das Bildungsvikariat des Bistums San Bernardo ihre Eignungsbescheinigung aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung widerrufen hatte. Und das, obwohl nach den chilenischen Vorschriften die nationale Beh\u00f6rde der Religionsbeh\u00f6rde die Befugnis \u00fcbertr\u00e4gt, die Eignung von Lehrern zu bescheinigen, die ihre Lehren und Grunds\u00e4tze unterrichten sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um nur einige zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir danken Teresa Flores f\u00fcr ihre Antworten. Das Recht auf Religionsfreiheit scheint in einigen lateinamerikanischen L\u00e4ndern ein rotes Licht zu haben, d.h. ernsthafte Probleme, und sicherlich gelb in mehreren von ihnen, abh\u00e4ngig von den Themen, insbesondere Leben, Sexualit\u00e4t, Familie und Geschlecht. Die von ihm geleitete Beobachtungsstelle (OLIRE) kann ein guter Wachturm f\u00fcr ihre \u00dcberwachung sein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cEn pa\u00edses con tendencia autoritaria, como en Nicaragua, la Iglesia se presenta como una de las pocas, por no decir \u00fanica instituci\u00f3n que goza de mayor credibilidad y, por tanto, su nivel de influencia entre la poblaci\u00f3n es vista como un peligro para el control del gobierno\u201d, explica en esta entrevista la abogada Teresa Flores, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":22039,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pmpro_default_level":"","footnotes":""},"categories":[36,37,46],"tags":[233,599,16,29],"class_list":["post-22038","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-actualidad","category-america-latina","category-mundo","tag-entrevistas","tag-familia","tag-jovenes","tag-libertad-religiosa","pmpro-has-access"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22038","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22038"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22038\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22039"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}