{"id":11176,"date":"2021-04-07T22:30:00","date_gmt":"2021-04-07T21:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/?p=11176"},"modified":"2021-04-08T22:21:49","modified_gmt":"2021-04-08T21:21:49","slug":"der-sprecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/firmas\/el-hechizo-de-la-voz\/","title":{"rendered":"Der Zauber der Stimme"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\"Aber nur deine Stimme h\u00f6re ich und sie erhebt sich \/ deine Stimme mit dem Flug und der Pr\u00e4zision eines Pfeils\". Die Stimme hat diese praktische Macht, wie Neruda in diesen Versen zusammenfasst: Sie macht das Wort h\u00f6rbar und besonders und wei\u00df ihm eine eigene Singularit\u00e4t zu verleihen, eine Singularit\u00e4t, die demjenigen eigen ist, der es ausspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stimme, eine Kombination aus unverwechselbaren Kl\u00e4ngen, Erinnerungen und Emotionen, reift in uns heran, steigt von der Lunge zur Kehle auf, schie\u00dft aus dem Mund wie ein Pfeil auf sein Ziel zu, betritt den gemeinsamen Raum und reicht anderen die Hand, wobei sie nicht nur das preisgibt, was wir sagen wollen, sondern auch das, was wir verbergen m\u00f6chten. Dabei ist die Stimme loyal, zu loyal uns gegen\u00fcber, bis hin zum Verrat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Lateinisch, <em>vox<\/em> bedeutet Klang, Ton, und ist wie eine Br\u00fccke, die zwei Ufer verbindet und eine Beziehung erm\u00f6glicht. Wird oft als Synonym f\u00fcr Wort, Urteil und Satz verwendet, <em>vox<\/em> weist auch auf Gesang hin, wie der von Meerjungfrauen (<em>Sirenum-Stimmen<\/em>), und sogar Verzauberung: bei Horaz die <em>Voces sacrae<\/em> sind magische Formeln, Mittel zur Heilung. Eine Stimme kann auch heilen, scheint der Dichter anzudeuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ist uns so vertraut, dass sie von einer Reihe popul\u00e4rer Redensarten gepl\u00fcndert wurde: \"die Stimme weitergeben\", \"die Stimme h\u00f6ren\", \"die Stimme geben\", \"den Stimmlosen eine Stimme geben\", alles Ausdr\u00fccke, die ihr Beziehungspotenzial zeigen. Oder wir verwenden die Stimme des Herzens und die Stimme des Blutes, als ob unsere Organe selbst geh\u00f6rt werden wollten, direkt, ohne Vermittlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist sofort klar, dass er f\u00fcr die Worte bestimmt ist. Aber in dieser Bestimmung \u00fcbt sie eine besondere Anziehungskraft aus: Sie bewahrt die Worte davor, in die Abstraktion abzudriften, als w\u00e4ren sie Wolken, die \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinwegfliegen, ohne dass wir uns darum k\u00fcmmern, und die gut sind, um Kolumnen wie diese zu schreiben, und sie befreit uns von der Gefahr des Logozentrismus, indem sie unsere Art zu sprechen (genau) konkret, k\u00f6rperlich macht. Mit ihrer besonderen \"Gr\u00fcndlichkeit\" ist die Stimme die K\u00f6rperlichkeit des Sprechens, die zwischen dem K\u00f6rper und dem Wort angesiedelt ist, sie ist der Austausch zwischen dem K\u00f6rper und dem Wort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es stellt nur eine Bedingung: zu verlangen, dass man ihm zuh\u00f6rt. Und indem es sich anma\u00dft, zuzuh\u00f6ren, \u00f6ffnet es sich f\u00fcr die Anerkennung des Unterschieds: Das Wort, das du an mich richtest, ist nicht von der Wirklichkeit getrennt, weil du es jetzt sagst. Einzigartig wie du, wie die Neugierde, die es n\u00e4hrt, wie die Beziehung, die es zum anderen herstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war einmal ein K\u00f6nig, erz\u00e4hlt Calvino, der, um seine Macht nicht zu gef\u00e4hrden, sich in seinem Palast zum Gefangenen machte, der auf seinem Thron sa\u00df und sich an sein Zepter klammerte. Verklemmt durch die Angst, Opfer einer Verschw\u00f6rung zu werden, widmete er sich nur noch einer einzigen T\u00e4tigkeit, dem Zuh\u00f6ren, das bald zu einer Besessenheit wurde, jedes kleine Ger\u00e4usch zu kontrollieren. Bis er eine Stimme singen h\u00f6rt... Eine Stimme, die von einem Menschen kommt, einzigartig und unwiederholbar wie alle Menschen. Calvino unterstreicht: eine Stimme, die immer das Verborgenste und Wahrhaftigste in einer Person zum Ausdruck bringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Stimme ver\u00e4nderte das Schicksal des K\u00f6nigreichs. Wie? Aufgrund der Intuition des K\u00f6nigs: Die Stimme wies ihn darauf hin, dass es eine lebendige Person, eine Kehle, eine Brust und eine Geschichte gab, die sich von allen anderen unterschied und die ihn aufforderte, aus sich selbst herauszugehen, aus seinem K\u00e4fig. Und er h\u00f6rte auf sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das passiert einem K\u00f6nig und das kann auch uns passieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Vergn\u00fcgen, das die Stimme in der eigenen Existenz erzeugt, zieht uns an und bewegt uns. Sie veranlasst uns zu dem Gedanken, dass unsere sich von jeder anderen unterscheidet und eingeladen ist, sich auszudr\u00fccken, sich auszutauschen. Es k\u00f6nnte der Beginn eines neuen Bewusstseins daf\u00fcr sein, was es bedeutet, in der Welt zu sein, was eine Beziehung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stimme hat eine letzte Eigenschaft: Sie widersteht der Zeit, sie bleibt im auditiven Ged\u00e4chtnis eingepr\u00e4gt und leistet uns weiterhin Gesellschaft, auch wenn ihr Besitzer sie verliert oder wegzieht. Das muss ihr Zauber sein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abPero solo tu voz escucho y sube \/ tu voz con vuelo y precisi\u00f3n de flecha\u00bb. La voz tiene este poder pr\u00e1ctico, como resume Neruda en estos versos: hace que la palabra sea audible y especial, y sabe asignarle su propia singularidad, una singularidad propia de la persona que la pronuncia. La voz, combinaci\u00f3n de [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":11179,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pmpro_default_level":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"class_list":["post-11176","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-firmas","pmpro-has-access"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11176"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11176\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.omnesmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}