Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Positiver Säkularismus

Der Erzbischof von Badajoz reflektiert über die Konzepte des Säkularismus und seine Ansichten über die Rolle der Religion in der Gesellschaft im Anschluss an den Brief des spanischen Politikers José Manuel Rodríguez Uribes.

Celso Morga

4 de März de 2021

LAIZISMUS_CELSO MORGA

Es gibt immer wiederkehrende Themen, die aus Diskussionsforen nicht zu verschwinden scheinen. Themen, die zu bestimmten Zeiten lebendiger werden und zu anderen zurückgehen, die aber in den letzten zwei Jahrhunderten, insbesondere in unserem alten Europa, präsent waren. Ich möchte über ein Konzept sprechen, das mir für das Verständnis der Organisation des politischen und sozialen Lebens entscheidend zu sein scheint: die Konzept des "Säkularismus".

Es stimmt, dass die Debatte, auf die ich mich beziehe, uns geholfen hat, bestimmte Aspekte zu verfeinern und zu integrieren, aber heute finden wir Nuancen, sogar grundlegende Interpretationen, die darauf hindeuten, dass wir nicht alle dasselbe meinen, wenn wir von Säkularismus sprechen.

Der Säkularismus selbst umfasst Freiheit, Respekt und Toleranz.

Ein richtiges Verständnis des Begriffs Säkularismus setzt zumindest aus der Sicht der katholischen Kirche voraus, dass der Anspruch des Christentums und damit der katholischen Kirche selbst, auch für das demokratische politische Gemeinwesen Quelle und Garant grundlegender menschlicher Werte zu sein, die sich aus der Vorstellung vom Menschen als "Bild und Gleichnis Gottes" ableiten, berücksichtigt, respektiert und gewürdigt wird.

Säkularer, nicht säkularistischer Staat

Der säkulare Staat ist natürlich nicht verpflichtet und auch nicht in der Lage, eine solche Behauptung als wahr anzuerkennen; aber er kann eine solche Behauptung auch nicht als Angriff auf die Säkularität des Staates oder als deren Leugnung betrachten, und er kann auch nicht dem Wunsch und dem - demokratischen - Bestreben der Kirche im Wege stehen, dafür zu sorgen, dass eine solche Behauptung in der Gesellschaft Präsenz, öffentlichen Raum und Einfluss hat. Würden die Staatsoberhäupter ihre Verärgerung, ihr Unbehagen oder ihren Versuch, diese öffentliche Präsenz zu unterdrücken, zum Ausdruck bringen, so würden sie zeigen, dass sie nicht mehr von einem positiven Säkularismus, sondern von einem kriegerischen Säkularismus geleitet werden. Eine solche Haltung wäre eine Abgötterei der Politik und des Staates; sie wäre wie eine neue Religion unter dem Deckmantel der Freiheit.

Nichts im menschlichen Denken und Verhalten ist neutral. Jede Institution ist zumindest implizit von einem Menschenbild inspiriert, aus dem sie ihre Beurteilungsmaßstäbe und ihre Verhaltenslinie ableitet.

Wenn diese Institution die Transzendenz außer Acht lässt, ist sie gezwungen, ihre Bezüge und Ziele in sich selbst zu suchen. Wenn diese Institution aber andere Kriterien über den Menschen und seine Bestimmung ablehnt, sich völlig verschließt oder nicht zulässt, kann sie leicht zu einer totalitären Macht werden, wie die Geschichte zeigt (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2244).

Die katholische Kirche bittet ihre Laien, sich dafür einzusetzen, daß die politische und soziale Verwaltung durch die Zivilgesetze und die staatlichen Strukturen mit der Gerechtigkeit in Einklang steht und daß diese Gesetze und Strukturen die Ausübung der menschlichen und christlichen Tugenden so weit wie möglich begünstigen und nicht behindern; Die Kirche bittet aber auch ihre Laien, zwischen den Rechten und Pflichten, die sie als Glieder der Kirche betreffen, und denen, die sie als Glieder der menschlichen Gesellschaft betreffen, zu unterscheiden und zu versuchen, sie miteinander in Einklang zu bringen, wobei sie sich in allen weltlichen Angelegenheiten von ihrem christlichen Gewissen leiten lassen sollen (vgl. Lumen Gentium, Nr. 36).

Wenn das Zweite Vatikanische Konzil von dieser "Bemühung um Versöhnung" spricht, bedeutet dies, dass sie auf Schwierigkeiten stoßen werden; dass der Christ mit einigen Gesetzen und Strukturen dieser Welt nie ganz zufrieden sein wird; aber es bedeutet auch, dass er sich stets bemühen muss, sie nach seinem Gewissen zu verbessern, indem er versucht, sein demokratisches Recht auf positive Einflussnahme auszuüben, und dass der säkulare Staat dieses Recht nicht nur respektieren, sondern positiv begünstigen muss, indem er seine Ausübung erleichtert, auch durch die Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen.

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