Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Vinel Rosier: "Die Kirche in Haiti stützt die Hoffnung der Menschen".

Vinel Rosier ist ein haitianischer Priester, der mit jungen Menschen in seinem Land arbeitet, damit sie angesichts der aktuellen Krise nicht die Hoffnung verlieren.

Maria José Atienza

19. November 2024

Pfarrer der Karf

Vinel Rosier wurde am 10. Oktober 1989 in Cavaillon geboren, HaitiEr ist das dritte Kind in einer Familie mit vier Kindern. Er empfing am 25. Mai 2019 den Diakonat und wurde am 31. August desselben Jahres in der Kathedrale von Les Cayes, Haiti, zum Priester geweiht. Seine erste pastorale Aufgabe war die Kuratie in der Pfarrei Sacré-Cœur des Cayes, eine Aufgabe, die er mit der Leitung der KIRO"-BewegungDas Projekt wurde von jungen Christen durchgeführt, ebenso wie der Katechismusunterricht in weiterführenden Schulen und die Einführung in die Bibel für junge Menschen, die kurz vor dem Eintritt in das Große Seminar standen.

Wie haben Sie Ihre Berufung zum Priestertum entdeckt?

-Als Kind bereitete ich mich in einer Schule, die von Nonnen geleitet wurde, auf meine Erstkommunion vor. In einer Klasse fragte eine der Nonnen, was wir werden wollten, wenn wir groß sind, und ich antwortete, dass ich Priester werden wollte. Dieser Wunsch wuchs in mir und wurde durch die Tatsache bestärkt, dass ich mich einer Gruppe von Ministranten anschloss, die bei der Messe halfen. Dort war ich beeindruckt von der Verfügbarkeit der Priester und ihrer Bereitschaft, zu dienen. Nach einer Weile bat ich den Pfarrer, mich zur Berufungsfindung zu schicken, und das tat ich zwei Jahre lang, bis ich 2010 das Propädeutikum begann. 

Wie haben Ihre Familie und Ihre Freunde reagiert, als Sie ihnen sagten, dass Sie Priester werden wollen?

-Obwohl meine Verwandten anfangs beunruhigt waren und sich dagegen wehrten, waren sie am Ende froh. Meine Familie dachte, dass ich nicht mehr in mein Viertel gehen könnte, dass ich andere Freunde und eine andere Familie haben würde. Aber am Ende überwog die Freude, denn es erfüllt die Familie mit Stolz, einen Priester in die Kirche zu geben. Meine Freunde, vor allem meine Klassenkameraden, waren anfangs ebenso unzufrieden, aber als sie meine Entschlossenheit sahen, ins Priesterseminar zu gehen, akzeptierten sie schließlich meine Entscheidung.

Wie würden Sie die Kirche in Haiti beschreiben?

-Haiti war ein überwiegend katholisches Land, so dass die große Marienverehrung der Bevölkerung die Quelle für ein wundersames Eingreifen der Jungfrau Maria war, als die Pockenepidemie die Bevölkerung heimsuchte. Am 8. Dezember 1942 erlaubte der Präsident des Landes den kirchlichen Behörden, Haiti der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe zu weihen.

Doch zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert begann der Protestantismus zu wachsen. Mit der Besetzung Haitis durch die USA kam es zu einer weiteren Konsolidierung der protestantischen Präsenz in Haiti, was einen Rückgang des Katholizismus im Lande zur Folge hatte. 

Trotzdem ist der Katholizismus im Lande immer noch stark vertreten. Es stimmt, dass unsere Kirche vollständig von ausländischer Hilfe abhängig ist, aber mit unseren begrenzten Mitteln versuchen wir, die Menschen dort zu unterstützen, wo der Staat nicht präsent ist. 

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten bleibt die Kirche in Haiti eine Quelle der Hoffnung und setzt sich für eine bessere Zukunft ein.

Vor welchen Herausforderungen steht die Kirche in Ihrem Land?

-Aufgrund der politischen Instabilität werden die Herausforderungen für die Kirche immer größer. Fast jeden Tag erleben wir wahllose Gewalt durch Banden, die ungestraft agieren. Jeden Tag erleben wir Morde und Raubüberfälle. Die Banden säen Terror und Verzweiflung, so dass die Menschen auf die Straße gehen, um zu fliehen, manchmal sogar ohne zu wissen, wohin sie gehen.

Haiti ist ein Land, das wirklich bedroht ist, weil die Institutionen des Staates brüchig geworden sind und die Verantwortlichen nicht in der Lage sind, die Situation zu stabilisieren. Die Kirche hat hier eine Rolle zu spielen, indem sie uns an die dringende Notwendigkeit einer Veränderung der Mentalität erinnert. 

Die Kirche in Haiti setzt sich dafür ein, dass insbesondere die jungen Menschen und die Haitianer insgesamt nicht entmutigt werden, und stärkt die Hoffnung der Menschen durch ihre prophetische Mission und ihre Interventionen im Bereich der Nächstenliebe.

Was schätzen Sie am meisten an Ihrer Ausbildung in Rom? 

-Was ich an meiner Ausbildung am meisten schätze, ist die Weitsicht, die ich an der Universität erworben habe. Dank der Begegnungen und des Austauschs mit Studenten aus anderen Ländern habe ich andere Kulturen kennengelernt. Ich konnte Freundschaften schließen und eine Menge Reichtum und Schönheit entdecken. 

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