Ein katholischer Blick auf die heutige Zeit

Torreciudad: vom 11. bis zum 21. Jahrhundert

Das heutige Heiligtum von Torreciudad in Huesca wurde 1975 eingeweiht. Von dieser Ecke vor den Toren der Pyrenäen aus setzt sich eine Verehrung aus dem 11. Jahrhundert fort und verbreitet sich in der ganzen Welt, die nun ins 21. Jahrhundert eintritt und alle technischen und digitalen Möglichkeiten unserer Zeit nutzt.

Maria José Atienza

13. April 2021

Heiligtum von Torreciudad
Panoramablick auf das Heiligtum von Torreciudad in Huesca (Spanien).

An den Ufern des Flusses Cinca gelegen, ist das Heiligtum Unserer Lieben Frau von den Engeln von Torreciudad ist seit zehn Jahrhunderten ein Zentrum des Glaubens und der Marienverehrung. Im Laufe ihres Lebens haben sich viele Menschen unter dieser Anrufung an die Fürsprache der Gottesmutter gewandt. Ihre Verehrung verbreitete sich vor allem nach dem Bau des neuen Heiligtums auf Initiative des heiligen Josefmaria Escrivá, das 1975 eingeweiht wurde.  

Torreciudad ist jetzt ein großer Raum, der Glauben, Kultur, Ökologie und Bildung miteinander verbindet. Das Heiligtum und seine Umgebung wurden renoviert, sowohl in seinen Einrichtungen als auch in neuen Projekten wie mobilen Anwendungen, um den Besuchern eine umfassende und zeitgemäße Glaubenserfahrung zu bieten. All dies mit einer doppelten Zielsetzung, wie Antonio Qintana, der Entwicklungsdirektor von Torreciudad, betont: "Das Heiligtum an den Pilger von heute anzupassen und eine authentische und persönliche Erfahrung der Begegnung mit der Gottesmutter zu ermöglichen. Und gleichzeitig das zu ermöglichen, was nach den Worten des Heiligen Vaters die Heiligtümer sein sollen: ein Ort des Trostes".. 

Der heilige Josemaría Escrivá hat diese Marienverehrung geerbt, die seit fast tausend Jahren Tausende von Menschen dazu bringt, vor dem Bild der Muttergottes der Engel von Torreciudad zu beten. Sein Anstoß für das neue Heiligtum sollte "Die Jungfrau Maria wird allen, die dieses tausendjährige Bild besuchen, eine Fülle von Gnaden schenken wollen. Und das ist es, was wir hier jeden Tag sehen. Andererseits müssen wir diesen ganzen spirituellen Reichtum, der sich in jedem Stein des Heiligtums manifestiert, verständlich und greifbar machen, und aus diesem Grund haben wir eine neue Museographie angewandt und helfen jedem, diese persönliche Begegnung mit der Jungfrau zu begreifen", unterstreicht Quintana. 

Die neuen Gebiete von Torreciudad

Die Erfahrung des Glaubens leben

Weltraum Die Erfahrung des Glaubens leben befindet sich in einem Raum auf Ebene -1 unter der Esplanade. Dieser Raum bietet dem Besucher ein überraschendes multimediales Eintauchen, bei dem in 5 Bereichen verschiedene Fragen und Überlegungen zu den großen Fragen des menschlichen Lebens gestellt werden: Gott, Freiheit, Glück, die Jungfrau Maria, Liebe... All dies, um das Wesen des Heiligtums zu erklären und eine Erfahrung der inneren Erneuerung zu ermöglichen. 

Weltraum Die Erfahrung des Glaubens leben. Foto: © ©. ganasdevivir.es

Das "Video-Mapping" des Altarbildes

Eines der charakteristischsten Elemente des neuen Heiligtums von Torreciudad ist der Altaraufsatz aus Alabaster des Bildhauers Joan Mayné, dessen Bilder verschiedene Momente aus dem Leben der Jungfrau Maria darstellen. In der Mitte des Altaraufsatzes befindet sich dieselbe romanische Schnitzerei der Madonna von Torreciudad, die sich in der alten Kapelle befand, ebenso wie der Tabernakel.

Ein Moment des Video-Mappings des Altarbildes.

Die derzeitigen Möglichkeiten haben zu einer Darstellung geführt, die die Anwesenheit des Allerheiligsten im Altarbild respektiert und in Form eines Dialogs zwischen der Gottesmutter und dem heiligen Josefmaria die verschiedenen Szenen dieses Altarbildes erzählt. Der Grundgedanke dieser großen audiovisuellen Projektion ist die Liebe und die verschiedenen Formen, in denen sie sich manifestiert: durch Dienst, Opfer, Arbeit und Hingabe. 

"Eine uralte Hingabe".

Auch der Ausstellungsraum hat sich in den letzten Jahren verändert. Eine uralte Hingabe. Die alte historische Ausstellung über Torreciudad wurde inhaltlich komplett erneuert und hat sich für eine interaktive Präsentation im Dialog mit dem Besucher entschieden. Der Rundgang beginnt mit den mittelalterlichen Ursprüngen der Verehrung Unserer Lieben Frau von Torreciudad, einer romanischen Schnitzerei von großer Schönheit und Heiterkeit, auf der das Kind wie auf einem Thron auf den Knien seiner Mutter sitzend dargestellt ist und die im Jahr 1084 inthronisiert wurde. Die schriftlichen, fotografischen, infografischen und audiovisuellen Informationen über diese zehn Jahrhunderte der Verehrung sind geschickt kombiniert, um ein attraktives und nachhaltiges Wissenserlebnis zu bieten. 

Die Muttergottes in der Mitte

Ein weiterer Raum, der im Rahmen des Heiligtumsprojekts renoviert wurde, ist die Galerie mit Bildern der Muttergottes aus der ganzen Welt. Seit Jahrzehnten bringen Pilgergruppen Bilder von verschiedenen Darstellungen der Muttergottes nach Torreciudad: von der Muttergottes von El Rocío, der Jungfrau von Guadalupe usw. Diese Galerie ist einer der am meisten geschätzten und besuchten Orte des Heiligtums, wo die Pilger eine große Auswahl an Bildern betrachten können, die nach geografischen und mariologischen Kriterien gruppiert sind. Außerdem stehen ihnen zwei große Touchscreens zur Verfügung, auf denen sie nach Fotos der übrigen Schutzheiligen suchen können, die dem Heiligtum im Laufe der Jahre geschenkt wurden. 

Zusammen mit den Heiligtümern von Pilar, Lourdes, Meritxell (Andorra) und Montserrat bildet das Heiligtum einen Teil der bekannten "Marianischen Route". Sie ist eines der wichtigsten Ziele des religiösen Tourismus in Europa und bildet eine Route, die Kultur und Frömmigkeit, Kunst und Spiritualität sowie die Natur miteinander verbindet.

Aus der Marienverehrung heraus entstand im Jahr 2002 das Mariologische Institut Torreciudad, das aus einer Vereinbarung zwischen der Theologischen Fakultät der Universität Navarra und der Stiftung Torreciudad hervorgegangen ist. Sein Ziel ist es, die mariologischen Studien zu fördern und aus wissenschaftlicher Sicht zur Verbreitung der Marienverehrung beizutragen; seine Haupttätigkeit ist die Veröffentlichung des Jahrbuchs Scripta de Maria.

Zuflucht auf dem Handy 

Der Besuch des Heiligtums von Torreciudad ist jetzt viel einfacher und interaktiver dank seiner mobilen Anwendung. Es handelt sich um einen vollständigen Führer, der die Vorbereitung und die optimale Nutzung des Besuchs erleichtern soll. Pilger und Besucher können leicht auf Informationen und Fotos zu allen Sehenswürdigkeiten von Torreciudad zugreifen. Mit aktivierten GPS- und Bluetooth-Funktionen informiert die Anwendung selbst den Benutzer über das, was er an jedem Ort zu sehen bekommt.

Die Anwendung ist besonders nützlich in den Bereichen des Heiligtums mit Bildern, die sich auf christliche Andachten beziehen, wie zum Beispiel die Geheimnisse des Rosenkranzes, die Kreuzwegstationen oder die Leiden und Freuden des heiligen Josef, die über den gesamten Bereich verstreut sind. Für diese frommen Übungen werden Texte bereitgestellt, die helfen, diese Szenen zu meditieren und sich Zeit für das Gebet zu nehmen. Es wird auch erklärt, wie man den Brauch des Anzündens von Kerzen zu Ehren der Jungfrau Maria und des Bindens von Bändern neben ihrem Bild lebt, beides traditionelle Handlungen beim Besuch der Heiligtümer der Jungfrau Maria. 

Das Heiligtum von Torreciudad empfängt jedes Jahr Tausende von Menschen aus der ganzen Welt, die zu Füßen der Jungfrau pilgern, sich dort treffen oder sie privat besuchen. Besonders bekannt sind die Familientage Anfang September, bei denen sich Hunderte von Familien im Heiligtum versammeln. Mit dem Ausbruch der Pandemie wurde "MisaTorreciudad" zu einer der wichtigsten Suchanfragen bei Google. Dank der digitalen Medien setzten Tausende von Menschen ihr Leben der Frömmigkeit mit täglichen oder sonntäglichen Messen im Heiligtum fort. Antonio Quintana erinnert sich, dass "Vor der Niederkunft hatten wir bereits das Streaming-System eingerichtet, um Menschen mit Behinderungen die Teilnahme an der Messe zu erleichtern. Als die totale Enge kam, haben wir alles so eingerichtet, dass wir mehrere Messen pro Tag anbieten konnten. Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen wurde darauf aufmerksam, da wir einer der wenigen waren, die Streaming anboten und damit mehr als 2,5 Millionen Menschen erreichten. Später schlossen sich Gott sei Dank auch andere Pfarreien und Wallfahrtsorte an und erweiterten das Angebot, so dass jeder, der wollte, daran teilnehmen konnte, sogar virtuell. Es war überwältigend, die Kirche geschlossen und leer zu sehen, aber gleichzeitig zu wissen, dass Millionen von Menschen uns zuhörten und dass wir der Kirche einen großen Dienst erwiesen. Wir tun dies immer noch, vor allem für die Länder Südamerikas, die immer noch in schwerer Enge leben. Wir haben jeden Tag viele Botschaften von Danksagungen und Bekehrungen erhalten, von der Rückkehr zur christlichen Praxis und von dem Wunsch, so bald wie möglich zu kommen, um der Gottesmutter für so viele Gaben zu danken. Die Muttergottes von Torreciudad schenkt uns auch auf telematischem Weg immer wieder ihre Gnaden.".

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